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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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IV. Der Italienische Krieg von 13S9

zeitigen Vorstoß auf Marcallo, den ihr Feldzeugmeister Heß anriet, wendenkönnen. Ihr Führer aber vermochte sich dazu nicht zu entschließen. Erführte nur noch, um die schwer bedrängten Verteidiger von Magentazu entlasten, mit schwachen Abteilungen einen kurzen Vorstoß dorthin aus.Dann war der Kampf beendet.

Trotzdem, und Wohl mit Recht, hielt Feldzeugmeister Gyulai die Schlachtnicht für verloren. Noch standen ihm Kräfte genug zur Verfügung, sieweiter zu führen. Er gedachte auch den Kampf am 5. Juni früh in derLinie CorbettaNobeccoCasterno wieder aufzunehmen und alsbald zurOffensive überzugehen.

Die Verluste waren bedeutend gewesen. Sie beliefen sich auf 285 Offi-ziere und 9941 Mann, doch befanden sich darunter an 4500 Gefangeneund Vermißte. Der französische Verlust ist an Toten und Verwundetennicht viel geringer gewesen als der österreichische. Er belief sich auf259 Offiziere 3850 Mann, zu denen noch 655 Vermißte kommen. Diesardinische Division Fanti kann nur eine ganz unbedeutende Einbußegehabt haben. Zu den österreichischen Gefangenen stellten das Haupt-kontingent die weniger zuverlässigen Elemente der Armee, zumal die Ita-liener. Ihnen sind wohl auch die Abteilungen zuzuzählen, die den Rück-zug in der Nacht bis Mailand fortsetzten.

Es hatten aber bisher nur etwa 57 000 Österreicher gegen rund68 000 Verbündete gefochten; starke Teile der Armee an 50 000 Mannwaren unberührt. Auch Urban, der Garibaldi gegen den Lago maggiorezurückgetrieben und sich am 4. Juni Turbigo genähert hatte, konnte am5. eingreifen. Indessen dem Feldherrn fehlte das Vertrauen auf einenSieg. Beim Kinegsbeginn hatte eine sehr große Zahl von Rekruten indie Armee eingestellt werden müssen, deren unzulängliche Schulung sichbei Magenta besonders fühlbar machte. Auch die Unselbständigkeit undUubeholfenheit der unteren Führung war in dem bedeckten und unüber-sichtlichen oberitalienischen Gelände höchst verhängnisvoll; denn von ihrhing Sieg oder Niederlage im wesentlichen ab.

Graf Clam Gallas berichtete über den Zustand der im Gefecht geweseneuTruppen des 1. und 2. Korps sowie der Division Reischach:Die Aus-führung (des Angriffs) ist gänzlich unmöglich, sie würde nur den voll-ständigen Ruin der Armee unwiderruflich herbeiführen. Es sind nämlichsämtliche Truppen in einer solchen totalen Auflösung, daß man nicht ein-mal eine Kompagnie, geschweige denn ein Bataillon zusammenbringen kann.Es bedarf mehrerer Tage dazu.... Das einzige Mittel, die Armee zuretten, ist, so schnell als möglich den Rückzug fortzusetzen."