Plan eines Übergangs bei Ballegaard
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terem Widerstande rüsten konnte. Eine vernichtende Entscheidung war nurmöglich, wenn es gelang, vor oder während des Sturmes auch nach Alsenhinüberzugehen und dem Feinde seine Zuflucht zu rauben, so daß er zurWaffenstreckung gezwungen wurde. Ein Übergang über die Alsen-Föhrdein der Gegend von Ballegaard wurde in Aussicht genommen. Wenn auch dieFöhrde mehr als doppelt so breit wie der Alsen-Sund ist, so war doch hiereher auf eine Überraschung zu rechnen, und das jenseitige Ufer weder besetztnoch verschanzt. Natürlich sollte der Feind m der Düppelstellung durchden inzwischen eingeleiteten artilleristischen Angriff festgehalten werden.Auch die preußische Flotte sollte dabei mitwirken.
Der König sowohl wie der Generalstabschef Moltke versagten zwar ihreZustimmung nicht, stellten aber doch die kräftige Durchführung der Be-lagerung in erste Linie. Am 25. März folgte, da der Prinz trotzdem beiseinem Plane blieb, des Königs Zustimmung. Die in Stralsund ver-sammelte preußische Kanonenbootflottille erhielt den Befehl zur Mitwirkung.Stürmisches Wetter verhinderte jedoch ihr Auslaufen. Der Übergang sollteohne sie vor sich gehen. Die Vorbereitungen dazu wurden eifrig betrieben,der österreichische Brückentrain herangezogen, die Ekensundbrücken abge-brochen, erbeutete dänische Pontons, Fischerboote aus dem Nübel-Noor zu-sammengebracht und am Abend des 31. März im ganzen 139 Schiffs-gefäße in der Nähe von Gravenstein, auf Wagen verladen, bereitgestellt.Die nötige Anzahl von Ruderern war vorher eingeübt worden. Die zurwestfälischen Division gehörige 26. Jnfanteriebrigade sollte die Vorhut bil-den und zuerst übergehen, die 12., die 11., sogar die heranzuziehende10. Brigade, alle drei Brandenburger, folgen, ebenso die beiden Jäger-bataillone, 2 Eskadrons und 5 Feldbatterien, im ganzen an 20000 Mann.
In der Nacht vom 2. zum 3. April war an der Übergangsstelle allesfertig, aber am Abend schon hatte ein Unwetter mit Nordweststurmbegonnen, das sich fortdauernd steigerte. Vergeblich wartete das Korpsauf sein Nachlassen. Als am 3. abends festgestellt wurde, daß der Feindnunmehr aufmerksam geworden sei und Vorbereitungen für die Abwehrder Landung, namentlich durch seine Kriegsschiffe, getroffen habe, gab derPrinz schweren Herzens den mühsam und sorgfältig vorbereiteten Ver-such auf.
Die Anstalten für die Belagerung waren übrigens nicht vernachlässigtworden. 8 gezogene Vierundzwanzigpfünder, zurzeit das wirksamste Ge-schütz, 12 gezogene Zwölspfünder und 16 glatte fünfundzwanzigpfündigeMörser standen als Belagerungspark zur Verfügung.
Über seine Verwertung herrschte anfänglich Meinungsverschiedenheit.