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seinen Absichten nicht entsprach. Er erfuhr, daß das 4. und 2. Korpsohne seinen Befehl vorgerückt seien. Das ist nichts Außergewöhnliches.Eine Armee, die mit dem Feinde in Berührung steht, ist kein Uhrwerk,das regelmäßig abläuft, auch kein Schachspiel, dessen Figuren man beliebigversetzen kann. Es kommt in jedem Augenblicke darauf an, mit Unab-änderlichem zu rechnen und das ganze danach so weit als möglich in dembeabsichtigten Gange zu erhalten. Das beste wäre hier wohl gewesen, deneinmal begonnenen Kampf mit Energie zu Ende zu führen und das 6. Korpsmit Neubildung einer Flanke gegen die II. preußische Armee auf der Höhevon Horenowes zu beauftragen. Es hätte in der Reserve durch eine Bri-gade des 3. Korps einigermaßen ersetzt werden können.
Statt dessen erfolgte der schon bekannte Befehl zur Rückkehr in dieursprünglich vorgesehene Stellung.
Benedek scheint auf feinen ersten Gedanken auch jetzt noch einmal zurück-gekommen zu sein, trotzdem „der Vorteil der inneren Linie längst in denNachteil der taktischen Umfassung auf dem Schlachtfelde" umgeschlagen war.Mit Genugtuung beobachtete er den Stand der Dinge bei der noch erfolg-los sich abmühenden Armee des Prinzen Friedrich Karl . Als habe erdaran gedacht, sie vernichtend anzugreifen, während er den Kronprinzenabwehrte, äußerte er, auf seine Reserven deutend, in der ersten Nachmit-tagsstunde: „Na, lassen wir's los?" Es war der Augenblick, in dem Na-poleon I. vielleicht sein „taiteZ äonnsi-1a Zarcks!" gesprochen hätte. AberBenedek war kein Napoleon, wenn auch ein tüchtiger und erfahrener Ge-neral. Seine Umgebung soll Einwendungen gemacht haben; der Nebelund Pulverdampf im Bistritztale müsse sich erst verziehen — und er habenachgegeben. „Nun meinetwegen!" Ob dies das Entscheidende war, ob dieeigene Unentschlossenheit im Herzen, bleibe dahingestellt. Der günstigeAugenblick war damit verstrichen und für immer verloren. Fraglich ist,ob es noch möglich gewesen wäre, mit den vereinten Kräften der beiden invorderer Linie stehenden Korps 3 und 10, sowie der Reserve, 6 und 1,die I. preußische Armee an der Bistritz zu überrennen, ehe die II. imRücken erschien. Mit jeder Minute wurde der Gegenstoß jedenfalls aus-sichtsloser. Ein „nun meinetwegen" durfte hier unter keinen Umständenfallen.
Inzwischen erstieg die 1. preußische Gardedivision mit ihren Brigadenziemlich gleichmäßig und wohlgeordnet den Höhenkamm von Maslowed,vom heftigen Feuer der langen österreichischen Geschützlinie zwischen Chlumund Nedelist begrüßt. Das Dorf Maslowed wurde leicht genommen. DieArtillerie ging bis über den Weg Maslowed—Nedelist vor und nahm