Die Wegnahme von Chlum
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den Kampf gegen die große österreichische Überlegenheit entschlossen auf;alles blieb im Vorschreiten. Das hohe Getreide entzog die preußischenSchützen dem Auge des Gegners. Unerwartet tauchten sie vor den öster-reichischen Batterien auf und überschütteten sie mit dem Feuer ihrer Zünd-nadelgewehre. Mannschaften und Pferde brachen darin zusammen. VieleGeschütze blieben stehen; auch die Infanterie des 4. Korps wich unterdem erschütternden Eindruck dieser Szene, als die geschlossenen Liniender preußischen Gardisten hinter den Schützen erschienen. Chlum gingverloren. Der Rückzug kam erst an dem Hohlwege Nedelist—Rosberitzzum Stehen. Selten ist eine entscheidende Wendung auf dem Schlacht-felde mit solcher Schnelligkeit eingetreten. Wenige tollkühn vorstürmendepreußische Bataillone hatten, von den Umständen begünstigt, den „Schlüssel-punkt- der gewaltigen österreichischen Schlachtstellung kurzerhand erobert.
Der dadurch völlig überraschte Feldzeugmeister eilte selbst nach Chlum,ward von einer Salve begrüßt, die seinen Stab auseinandersprengte und,zum Teil tot oder verwundet niederstreckte, bewahrte aber die Ruhe, be-auftragte ein in der Nähe stehendes Bataillon, Chlum wieder zu nehmen,und holte selbst das 6. Korps aus der Reserve heran.
Mittlerweile hatte auch die Brigade Benedek vom 3. Korps, die naheChlum stand, durch die von dort her einschlagenden Geschosse Kunde vondem Vorgefallenen erhalten und wendete sich entschlossen zum sofortigenAngriff gegen den Westrand; aber ihr Oberst fällt schwer verwundet, und,von heftigem Schnellfeuer empfangen, flutet sie auf Langenhof zurück. Einezur Deckung des Abzuges voreilende Batterie ist in einem Augenblick zu-sammengeschossen; nur ein Geschütz rettet sich. Nördlich Chlum fielen8 Geschütze in die Hände der Preußen . Diese — die Regimenter der1. Gardedivision — drängen nach. Ein Regiment der österreichischen1. Reservekavalleriedivision wirft sich ihnen entgegen, erleidet die schwerstenVerluste — den Kommandeur, 9 andere Offiziere, 250 Mann und 400Pferde — und folgt der auf Langenhof abziehenden Division. Gegen3 Uhr nachmittags drangen die Sieger bereits in Rosberitz ein. Nun-mehr ging die Artillerie der Garde auf die Höhe südlich von Chlum vorund entsandte ihren Geschoßhagel von dort, auf die wirksamste Entfernung,in die mit der Front nach Westen noch regungslos dastehenden Massendes 6. und 1. österreichischen Korps. Ein Versuch der Brigade Appianodes 3. Korps, die auf dem Hange zwischen Chlum und Rosberitz hielt,Chlum wieder zu nehmen, scheiterte. Die eigene zurückströmende Kavalleriebrachte ihre Bataillone in Unordnung, so daß sie sich dem allgemeinenRückzüge gegen Sweti anschließen mußte.