Rückzug der Österreicher über Königgriitz
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wiederzuerobern. Mörderisches Feuer wies sie ab. Auch die BrigadeWaldstätten, die der Feldzeugmeister persönlich zur Aufnahme bei Wsestaraufgestellt hatte, geriet in Unordnung. Schon strömten zurückgehende Ab-teilungen vom 3. und 10. Korps durch sie hindurch; denn auch Wald undDorf von Lipa waren von Teilen der preußischen Garde genommen wor-den, die von dort allein 1600 Gefangene abführte.
Noch aber gab Beuedek die Hoffnung nicht auf, die wichtige Stellungvon Chlum zurückzuerobern. Er führte auch das 1. Korps dagegen vor.Die Brigade Poschacher brach nochmals in Rosberitz ein, die BrigadeRingelsheim, von Leiningen und Knebel gefolgt, der sich vom 10. Korpsfreiwillig anschloß, kam wieder bis nahe an Chlum heran, aber nicht hin-ein. Sie fluteten zur Brigade Abele zurück, die bei Wsestar stehen ge-blieben war. Ihr Verlust betrug nicht weniger als 1462 Mann. InRosberitz waren viele Leute in Gefangenschaft gefallen.
Nach der Wegnahme von Lipa konnte sich auch das 3. österreichischeKorps auf den so lange behaupteten Höhen nicht mehr halten. ErzherzogErnst ordnete den Rückzug über Langenhof auf Nosnitz südlich Wsestaran, der auch, freilich unter schweren Verlusten, noch gelang. Nun mußteauch das 10. Korps zurück, das überdies bereits von Problus her bedrohtwurde. Gedeckt durch die gegen Problus aufmarschierende 3. Neserve-kavalleriedivision Graf Coudenhove und Teile der Reserveartillerie, er-reichte es Nosnitz, dank zumal der Aufopferung von 2 Batterien, die frei-lich zum Schlüsse 11 Geschütze in der Gewalt der aus Lipa vorstürmendenpreußischen Garden lassen mußten.
Unermüdlich war der Feldzeugmeister im dichtesten Kugelregen tütig ge-wesen, der hereinbrechenden Verwirrung zu steuern und den einzelnenKorps die Rückwege über die Elbe zuzuweisen.
Der langsam mit seiner Division nach Rosnitz gefolgte Graf Couden-hove entschloß sich, zur Rettung der abziehenden Truppen, den nachdrän-genden Preußen entgegenzugehen. Die 1. und 2. Reservekavalleriedivisionfolgten ihm auf Benedeks Befehl. Aus verschiedenen Richtungen kam jetztauch die preußische Kavallerie herbei, und es entspann sich ein Neitergefecht,das in der modernen Kriegsgeschichte nur von dem von Liebertwolkwitz am14. Oktober 1813 an Ausdehnung übertroffen wird.
Zwischen Rosberitz und Langenhof ritt erst die 1. Reservedivision PrinzHolstein an, gegen die sich nach und nach eine Reihe einzelner Regimenterund Eskadrons der dort vordringenden preußischen Korps, 12. Husaren,3. Dragoner, 4. Ulanen und Zietenhusaren wendeten, die aber auch In-fanterie- uud Artilleriefeuer erhielt. Das Regiment Hessenkürassiere stürmte