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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Benedek während der Katastrophe

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Der Feldzeugmeister, der inmitten der Katastrophe das Mögliche getanhatte, vermochte doch mit seinem bei Chlum stark geschwächten Stäbe nichtalle Heerteile auf die ihnen zugedachten Elbübergänge hinzuleiten. Sieergossen sich über Placka, gegen Königgrätz sowie über Opatowitz, selbstnach Pardubitz hinter die Elbe. Der Kommandant von Königgrätz ließerst abends 11 Uhr die Tore öffnen; dann strömten in ununterbrochenemZuge Truppen, Flüchtige, Verwundete, Geschütze und Fahrzeuge durch denPlatz nach dem linken Flußufer hinüber.

Ein kräftiges Vordringen der preußischen Elbarmee hätte die Katastropheder Österreicher noch vergrößern können, aber die beiden Divisionen, dieim Gefecht gestanden hatten, waren erschöpft und von der 16. Divisionerst die 31. Brigade bei Stezirek eingetroffen, wo sie durch die beidenKavalleriedivisionen Edelsheim die 1. leichte und Zaitschek die2. Reservedivision aufgehalten wurde. 32 Geschütze traten gegen siein Tätigkeit. Auch Batterien der Reserveartillerie, von Reiterei gesichert,nahmen zwischen Stösser und Techlowitz die Abwehr auf. Die andereBrigade der Division war noch bei Nechanitz. Auch das Einsetzen dergroßen verfügbaren Kavalleriemassen hätte des Gegners Niederlage ohneZweifel verschlimmert; doch kam es nicht mehr dazu.

König Wilhelm war, von seinen Truppen aufs freudigste begrüßt, sozeitig an Lipa und Langenhof vorüber auf den Kampfplatz geritten, daßer noch einen Teil des Kavalleriegefechts mit ansah und, etwa um 6 Uhr,bei Bor in österreichisches Granatfeuer geriet. Wohl ließ sich die Be-deutung des Sieges als Abschluß der bisher zur Vereinigung der Armeegeführten Operationen übersehen, aber noch nicht sein Einfluß auf dasSchicksal des ganzen Krieges und auch nicht die Größe des taktischenErfolges.

Für den 4. Juli wurde um 6^ Uhr abends Ruhe befohlen; die un-mittelbare Verfolgung unterblieb. Nur dem General v. Herwarth wurdeeine solche in der Richtung auf Pardubitz aufgetragen; doch kam sie amAbend nicht mehr zur Ausführung. Dann begaben sich der König undPrinz Friedrich Karl nach Horitz, wo sie ein höchst dürftiges Unterkom-men fanden. Der Kronprinz nächtigte in Horenowes. Die ermüdetenhungernden Truppen biwakierten, wo sie gerade am Abend zuletzt gestan-den, auf dem von vielen Tausenden Toter und Verwundeter bedeckten,von den brennenden Dörfern beleuchteten, blutgetränkten Schlachtfelde.

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Frhr. v, d. Golv , Kriegsgeschichte II

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