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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

mals dem General v. Hartmann. Dieser gelangte am Nachmittag, dieBeczwa durchfurtend, in den Rücken einer Stellung, welche die BrigadenLeiningen und Poschacher vom 1. österreichischen Korps zur Aufnahmedes 8. bei Roketnitz nordwestlich Prerau genommen hatten. Der ganzüberraschende Anfall, den die preußischen Landwehrhusaren und eineUlaneneskadron ausführten, sprengte mehrere Bataillone und brachte großeUnruhe und Unordnung beim Feinde hervor; doch zog er dann weiterhinunbehelligt aus Prerau ab.

Die beiden österreichischen Korps verloren im ganzen außer den Ge-schützen nicht weniger als S8 Offiziere, 1559 Mann, die schwache preußischeMacht nur 12 Offiziere und 235 Mann.

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Die wichtigste Folge aber war, daß der Feldzeugmeister, tief gebeugtdurch den Unfall von Tobitschau, sich nunmehr entschloß, mit der ganzenArmee ins Waagtal auszubiegen. Er ordnete sogleich den Übergang überdie kleinen Karpathen an. Wäre ein einigermaßen starker und tätigerVerfolger ihm auf den Fersen geblieben, so hätte er vielleicht den Anschlußan die Donauarmee überhaupt nicht mehr erreicht.

Die H. preußische Armee war freilich im Augenblick noch zu weit aus-einandergezogen, um diese Rolle mit allen Kräften übernehmen zu können.Dem 1. und 5. Korps nebst der Kavalleriedivision aber wäre es mög-lich gewesen, und sie hätten voraussichtlich auch genügt. Moltke hatte es ,auf die erste, noch wenig verständliche Meldung über den Abmarsch derÖsterreicher am 15. Juli früh auch befohlen. Die I. Armee sollte dabeimitwirken. Aber das Oberkommando der II. Armee hegte andere An-schauungen. Es hielt das Abdrängen der Österreicher nicht mehr fürmöglich, die eigene Vereinigung mit der anderen Armee vor Wien jetztaber für das wichtigste. Die Ausführung unterblieb. Ein verspätetesVorgehen Bonins auf Prerau am 16. war schon erfolglos. Der Feindhatte sich längst nach Holleschau in Sicherheit gebracht.

Erzherzog Albrecht, der neue österreichische Oberbefehlshaber, war am12. Juli in Wien eingetroffen, hatte die Leitung der Operationen über-nommen, Benedeks Abmarsch von Olmütz durchgesetzt und das Kavallerie-korps Prinz Holstein hinter die Donau zu deren Überwachung zurück-gezogen. Nur eine schwache Nachhut blieb nördlich des Stroms stehenund sollte beim Anrücken des Feindes auf die nördlich Wien angelegtenVerschanzungen den sogenannten Florisdorfer Brückenkopf aus-weichen. Am 16. trafen bereits die ersten Truppen der Armee aus Italien