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die II. dahinter bei Schönkirchen . Ein überraschender Versuch, Preßburgund den dortigen Donauübergang zu nehmen, war damit zu verbinden.
Die II. Armee sollte Garde, 6. und 5. Korps schnell heranziehen, „daes unter allen Umständen wünschenswert ist, in möglichster Gesamtstärkean der Donau aufzutreten". Auch die Heranziehung des ganzen 1. Re-servekorps nach Brünn oder Lundenburg wurde in Aussicht genommen,die Herbeischaffung eines Belagerungsparks vorbereitet.
So hatte sich erfüllt, was Friedrich der Große nicht erreichte: — derKönig von Preußen stand mit einem großen siegreichen Heere vor Wien .
Noch fehlte freilich der Schlußakt, die Einnahme, die nicht so leicht ge-wesen wäre, als man es damals, nach den vorangegangenen kriegerischenEreignissen, vielfach angenommen hat. Auf österreichischer Seite hatte sichdie niedergedrückte Stimmung mit dem Eintreffen der in Italien erfolgreichgewesenen Südarmee wieder etwas gehoben. Der Seesieg von Lissa stärktesie. Die Hauptstadt war durch eine ausgedehnte verschanzte Linie geschütztworden. Sie bestand aus einer Reihe provisorischer Werke mit 430 Ge-schützen, lehnte sich rechts bei der Lobau, links gegenüber Klosterneuburg an die Donau und überragte die Dannewerke erheblich an Bedeutung.Eine in der Mitte an der Bahn nach Gänserndorf noch klaffende Lückevon 7 Breite, konnte feldmäßig geschloffen oder durch starke Besetzunggesichert werden. Das ganze 10. Armeekorps stand im Brückenkopf; rechtsdavon bewachte das 3., links das aus Italien gekommene 9. Korps dieDonau. Zwei Kavalleriedivisionen schloffen sich unterhalb Wien bis Preß-burg an. Das ebenfalls vom südlichen Kriegsschauplatz herangezogeneS. Korps lag in der Hauptstadt. Am 21. Juli trafen die ersten TruppenBenedeks in Preßburg ein. Die Masse seiner Armee hatte die Gegendvon Neustadtl und Tirnau erreicht; nur das 6. Korps und die sächsischeDivision Stieglitz blieben noch bei Trentschin zurück.
Hatten die Truppen auch unter Entbehrungen sehr gelitten und starkeMarschverluste gehabt, die nur notdürftig durch sehr mangelhaft aus-gebildete Mannschaft ersetzt werden konnten, so wären sie doch in derVerteidigung brauchbar gewesen, und einige Ruhe hätte sie neu stärkenkönnen. —
Die Dinge sahen also für Osterreich nicht ungünstig aus- Aber nochwar die größte Gefahr nicht überstanden. Glückte der von preußischerSeite beabsichtigte Handstreich gegen Preßburg und wurde der Paß vonBlumenau geöffnet, so mußte Benedek, auch ohne verfolgt zu sein, min-destens über Komorn ausweichen. Dann aber konnte die Hauptentschei-dung bei Wien fallen, bevor er dabei mitzuwirken vermochte.