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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Lage der Heere bei Wien

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Das Unternehmen gegen Preßburg leitete General v. Fransecky, Kom-mandeur der 7. Division, dem auch die 8., jetzt von General v. Bose ge-führt, sowie eiue Abteilung der Armeereserveartillerie, unterstellt wurde.Am 21. Juli überschritt er bei Marchegg die March und ging bis Stampfenvor, erkundete den Paß und beschloß den Angriff für den 22. Im ganzenkonnte er über 19 Bataillone, 24 Schwadronen, 78 Geschütze verfügen.Aber auch auf österreichischer Seite waren jetzt schon erhebliche Kräftein der Nähe vorhanden, nämlich 24 Bataillone, 11 Schwadronen, und40 Geschütze vom 2. österreichischen Korps, Graf Thun. Der Kampf zwi-schen diesen beiden im Vergleich zum Ganzen nicht sehr bedeutenden Heer-teile sollte in letzter Stunde noch einmal über das Schicksal des Feldzugesentscheiden.

Es darauf ankommen zu lassen, war gewagt. Beide kämpfenden Par-teien hatten dabei viel zu verlieren. Darin fand die jetzt sehr rührigefranzösische Vermittlung einen günstigen Nährboden. Graf Benedettireiste in den letzten Tagen zwischen den Parteien hin und her. Napo-leons III. Sorge war, daß Preußen durch einen für wahrscheinlich gehal-tenen endlichen Sieg zu mächtig und anspruchsvoll werden würde. Erhielt die Entstehung eines Norddeutschen Bundes für erträglich, wenn ihmein süddeutscher, der bei seiner Schwäche leicht unter Frankreichs Ein-fluß geraten könnte, gegenüberstand. Ein mäßiger Gebietszuwachs fürPreußen galt ihm als ungefährlich. Der dadurch in Frankreich hervor-gerufene Eindruck sollte aber durch irgendeine eigene Erwerbung auf-gewogen werden.

Preußen mußte jetzt, wo das wesentliche erreicht war, alles daran liegen,zu schnellem Abschlüsse zu kommen, ehe die fremden Mächte sich einmisch-ten. Ein letzter Sieg hätte kaum noch etwas an dem Endergebnis desKrieges geändert.

Österreich widerstrebte; es war für das Kaiserhaus schwer, die Rolleaufzugeben, die es seit Jahrhunderten in Deutschland spielte. Ein Opferan Land und Leuten wurde nicht verlangt. Unter schweren Kämpfenhatte Bismarck dies, die künftige Entwicklung der politischen Lage Europas weit im voraus überschauend, bei seinem Könige und Herrn durchgesetzt.Sachsen, dem sich Kaiser Franz Josef , wegen seiner Bündnistreue, be-sonders verpflichtet fühlte, sollte gleichfalls geschont werden. Das warenDinge, die in Wien für den Abschluß sprachen. Auf der anderen Seitestand Größeres auf dem Spiel. In Ungarn drohte die Erhebung, die nurauf das Signal einer neuen Niederlage des kaiserlichen Heeres wartete.Die Italiener gingen, wenn auch nur sehr bedächtig, vor, die süddeutschen