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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Preußischer Vorstoß gegen Preßburg

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hinab. Er stand nunmehr auf der Rückzugslinie der Verteidiger vonBlumenau. Ein Vorstoß, den die Österreicher vom Kalvarienberg herunternahmen, scheiterte.

Wie Bose die Österreicher umgangen, so drang in seinem Nucken dieBrigade Württemberg von Ratzersdorf her gegen Bisternitz vor, dasFransecky durch seine Reserven besetzen ließ.

Zur Entscheidung in dieser eigentümlichen Gefechtslage kam es abernicht mehr. Die Mittagsstunde endete den Kampf, der, wie bei einemFriedensmanöver, um 12 Uhr auf Signal abgebrochen wurde. Nur ver-einzelte Abteilungen setzten ihn noch etwa eine halbe Stunde lang fort.Bei längerer Dauer hätte wohl Fransecky durch Wegnahme der StellungMondels eine für Preußen günstige Entscheidung herbeigeführt.

Die Preußen brachten sich bei Stampfen und Marchegg unter. Nurdie Brigade Bose blieb bis zum 23. mittags am Engpaß stehen, um ihrenErfolg kenntlich zu machen und kehrte dann erst zu den Ihrigen zurück.

Der Krieg war beendet.

Das Gefecht von Blumenau hatte die Preußen 8 Offiziere, 199 Manngekostet, die Österreicher dagegen 18 Offiziere, 471 Mann.

Zu erwähnen ist noch, daß die beiden gemischten Truppenabteilungenvon Knobelsdorff und Stolberg seit dem S. Juli schon Österreichisch-Schlesien besetzt hatten und dann bis nach Zwittau, Müglitz und bis nachTeschen vorgerückt waren.

Der Waffenstillstand und der Frieden von Prag am 30. August 5866

Erst am 22. Juli mittags wurde in Nikolsburg die Scheidelinie zwischenden beiden Heeren festgestellt. Sie begann oberhalb Wien bei Krems ander Donau , folgte ihr bis Stockerau, zog sich weiter nach dem Nußbachhinüber und dann nach Bisternitz jenseits der March, endlich am Fußeder kleinen Karpathen entlang nach Szenitz.

Noch am gleichen Tage begannen die Friedensverhandlungen. In Frank-reich war die öffentliche Meinung über Preußens unerwartete Siege inhohem Grade erregt, als sei man selbst davon betroffen worden. Napo-leon m. hatte zwar seiner Vergrößerung bis zu einem gewissen Gradezugestimmt, ohne Entgelt dafür zu fordern. Aber es handelte sich nundarum, diese augenblickliche Geneigtheit schnell auszunutzen, ehe ein Um-schlag eintrat. Moltke entwarf zwar den genialen Plan, wenn Frankreich ernsthaft eingriff, gegen Österreich weiterhin nur eine, auf Prag und