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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Friedensschluß und Heimkehr

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Kriegsschauplatz und traf noch an demselben Abend in Berlin ein,vonder Bevölkerung mit endlosem Jubel begrüßt".

Das Ergebnis des Krieges übertraf alle Erwartungen. Die Mehrzahlim Lande hatte geglaubt, alles mögliche Unheil für Preußen voraussehenzu müssen. Die Minderheit, die der Umsicht, der Führung und der Tüch-tigkeit des Heeres fest vertraute, hatte ihre kühnsten Hoffnungen auf dieErwerbung von Schleswig-Holstein und den Wiedergewinn des altpreußi-schen Ostfriesland, sowie Ansbach Baireuths gerichtet. Statt dessen kameine Umgestaltung des Staatsgebietes, die Vereinigung der bisher getrenntenProvinzen und eine so ansehnliche Gebietsvermehrung heraus, daß Preu-ßens Großmachtstelluug für künftige Zeiten auf ganz neuer Grundlageberuhte. Seine Führerschaft, nicht mehr von einem gleich schweren dauern-den Gegengewicht unwirksam gemacht, sicherte ihm auch die Verfügungüber die militärischen Kräfte der übrigen norddeutschen Bundesstaaten.Im Volke begann das Verständnis dafür zu erwachen, daß König Wilhelmmit seinem Heeresreformwerke keiner persönlichen Liebhaberei, und Bismarckmit seiner Politik keinem junkerhaften Übermute gefolgt sei, sondern daßbeide vereint Preußen und Deutschland bewußt einer ehrenvollen Zukunftentgegen führten, unterstützt durch einen großen Heerführer und einen be-währten Organisator. Es begann in den Geistern das Verständnis fürdie geschichtliche Mission des Vaterlandes zu erwachen.

Vor der Fortsetzung des Berichts ist es notwendig, einen Blick auf dieVorgänge bei der österreichischen Südarmee zu werfen, die in so engenZusammenhang mit den Schicksalen der Nordarmee gekommen war.

Der Leldzug in Oberitalien

(Vergl. Skizze 12, S. 126)

Italien hatte seine Rüstungen am 11. März begonnen und bis MitteJuni 20 Infanterie- und 1 Kavalleriedivision, im ganzen 360 Bataillone,90 Eskadrons, 450 Geschütze 210000 Streitbare zählend für denKrieg bereit gestellt. Außerdem hatte sich aus Freiwilligen eine Machtvon 42 Bataillonen, 2 Eskadrons, 40 Geschützen gebildet, 36 000 Mannstark. 70 000 Mann standen an Besatzung in den Festungen. Die ganzeKriegsflotte war bei Ancona vereinigt. Es ist nicht zu leugnen, daß dasjunge Königreich außerordentliche Anstrengungen gemacht hatte, um seinZiel, die Gewinnung Venetiens und damit die einer Großmachtstellung inEuropa , zu erreichen.

Österreich setzte erst am 21. April die Südarmee auf den Kriegsfuß;