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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Hünfeld. Die Bayern bei Kalten-Nvrdheim

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Das bayerische Kavalleriekorps wurde an diesem Tage von einem herbenUnfall betroffen. Seine der Kolonne voraufmarschierende schwere Bri-gade stieß bei regnerischem Wetter unvermutet auf die Spitze der preußi-schen Division Beyer. Diese ließ durch ihre Batterien einen Feuerüberfallausführen. Gleich die ersten Granaten trafen die vorderste Eskadron,fügten ihr erheblichen Verlust zu und brachten sie zu ungeordnetem Zu-rückgehen. Dabei warf sie sich auf das sich entwickelnde Regiment, riß essowie auch das zweite mit und verbreitete die Unordnung. Von der auffah-renden Batterie blieb ein Geschütz liegen. Das Gerücht vergrößerte den Un-fall, und am Ende ging das ganze Korps über Fulda gegen Gersfeld zurück.

Prinz Karl hatte sich mittlerweile zum Abmarsch nach Neustadt a. S.entschlossen und sandte dem Kavalleriekorps den Befehl, nach Brückenau heranzurücken. Dieser Befehl erreichte das Korps abends 10 Uhr in Gers-feld , brachte neue Irrungen hervor und ließ es erst am 6. Juli beiHammelburg hinter der Saale geordnet zur Ruhe kommen.

Der Prinz hatte seinen Abmarsch noch am 4. eingeleitet, am ö. aberunterbrochen, da er einen Angriff erwartete, den er bei Kalten-Nordheimabweisen wollte. Erst am nächsten Morgen nahm er die Bewegung wie-der auf, nachdem er abends zuvor noch die Hiobspost von Königgrätz unddie Nachricht vom Mißgeschick der Kavallerie erhalten hatte. Am 6. Juli er-reichte er mit der 3. Division Neustadt a. S., mit der 2. und der Reserve-artillerie Mellrichstadt, mit der 4. die Gegend südlich Fladungen , währenddie 1. bei diesem Orte als Nachhut verblieb.

Auch das Bundeskorps hatte sich nunmehr geregt. Unter unnützstarker Sicherung gegen die Nheinprovinz, wo angeblich noch viel preußischeTruppen stehen sollten, war es am 3. Juli bis zum Osthange des Vogels-gebirges, Fulda gegenüber, vorgerückt. Nach einem Ruhetage am 4. wurdeder Marsch am 5. gegen Fulda fortgesetzt, wo Falckenstein vermutet wurde.Am Nachmittage traf vom Oberbefehlshaber Prinz Karl die Mitteilungseiner Absicht ein, nach Neustadt a. S.Bischofsheim zurückzugehen. Erforderte das Korps auf,sich in gleicher Höhe zu halten und möglichstrasch die Verbindung über Brückenau und Kissingen herzustellen". PrinzAlexander von Hessen erfuhr aber mittlerweile auch, daß die österreichischeHauptarmee bei Königgrätz geschlagen worden sei, und die Schwäche allerKoalitionen machte sich hier wie überall geltend. Er schlug nämlich einesofortige Versammlung der süddeutschen Kräfte hinter dem Main vor.Der Oberbefehlshaber aber bestand auf seiner Absicht, noch vorwärts desMains an der Saale bei NeustadtKissingenHammelburg Widerstandzu leisten und forderte das Herankommen.