Die Kämpfe an der fränkischen Saale
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General v. Falckenstein, der Beyers Kolonne begleitete, empfing aberinzwischen die Meldung von einem ernsten Gefecht bei der Division Goebenund hielt deshalb Beyer bei Hammelburg an.
Das Gefecht von Aissingen am 1.0. Juli ^366(S. Skizze 35)
General v. Goeben war am 10. vormittags vor Kissingen erschienen,voran die Brigade Kummer, dahinter die Brigade Wrangel, die gleichzeitigeine Seitenabteilung nach Friedrichshall entsendet hatte. An der Saalevon Waldaschach bis unterhalb Kissingen hatte der bayerische Generalv. Zoller den durch Regengüssen geschwellten und undurchwatbar gemachtenFluß besetzt. Mit Ausnahme von Waldaschach lag seine Stellung ganzam linken Ufer. Die Übergänge waren zerstört oder gesperrt, namentlichdie große steinerne Brücke in der Mitte der Stadtfront, auf der 2 Zwölf-pfünder hinter einer Barrikade standen, eine hölzerne Jochbrücke am nörd-lichen, ein eiserner Laufsteg am südlichen Ende und ein hölzerner Laufstegbei der Lindesmühle. Teile der 2. und 4. bayerischen Division standenan verschiedenen Stellen in der Nähe — die Zersplitterung der Truppenerschwerte eine einheitliche Verwendung. In Kissingen selbst waren 2 baye-rische Bataillone, 12 Geschütze, in Reserve 3 Bataillone zurückgehalten —genügende Kräfte, um den Ort ernsthaft zu verteidigen.
Die Brigade Kummer — von Garitz herankommend — setzte sich zu-nächst in der westlichen Vorstadt fest. Kanonade und Gewehrfeuer ent-spannen sich über das Flußtal hinweg. Die bayerische Artillerie wurdegezwungen, um etwa 1000 Meter zurückzugehen. Dann entwickelte sichdie Brigade Wrangel rechts von der Brigade Kummer südlich der Straße,und es gelang ihr unter großer Mühe und im heftigen Kampfe mit derbayerischen Reserve, die auf den Höhen bei den Bodenlauben erschien, denSteg bei Lindesmühle zu überklettern. Tischplatten und Fensterläden dien-ten dazu, den abgenommenen Belag zu ersetzen. Auch der eiserne Lauf-steg und die Barrikade der Hauptbrücke wurden am Ende überwunden; inder Stadt entwickelte sich der Straßen- und Häuserkampf. Um 1 Uhrnachmittags waren die Preußen in ihrem Besitz. Die Bayern zogen sichnach dem dahintergelegenen festen, aber von Süden und Nordosten über-höhten Kirchhofe zurück. Auch dieser ging verloren. Ein auf Prinz KarlsBefehls unternommener Versuch, ihn wiederzuerobern, schlug fehl; Generalv. Zoller fiel. Der Rückzug nach dem 1800 Meter nordöstlich Kissingen gelegenen Dörfchen Winkels wurde angetreten. Die dorthin zur Aufnahme