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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

fanterie in den engen und steilen Straßen noch mehrfach einen verlust-reichen Widerstand aufnehmen. Zwei Geschütze hielten eine Zeitlang dasÜberschreiten der Mainbrücke an der Stadt auf, und es gelang am Ende,die Brigade teils auf dieser, teils weiter unterhalb bei Stockstadt hinterden Fluß zu führen.

Um 1 Uhr nachmittags überschritt die vorderste preußische Infanteriedie Stadtbrücke; auch der Übergang bei Stockstadt geriet bald in ihre Ge-walt. Eine Verfolgung fand aber nicht mehr statt. Ermüdung und un-erträgliche Hitze hinderten sie. Der Kampf hatte die Sieger nur 17 Offi-ziere, 163 Mann gekostet. Die Einbuße der Österreicher belief sich aufnicht weniger als 47 Offiziere, 2445 Mann, doch befanden sich darunter22 Offiziere und nahe an 2000 Mann unverwundete Gefangene, zumgroßen Teil einem Regiment mit italienischem Ersatz angehörig. DerVerlust der Hessen war nnr geringfügig.

General v. Goeben hatte mit seiner Division nacheinander Bayern, Hessen und Österreicher geschlagen, sein Ruf als Führer, der sich in engerenKreisen schon 1864 geltend machte, verbreitete sich jetzt im ganzen Heere.Offiziere und Soldaten blickten mit festem Vertrauen auf ihn.

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Prinz Alexander von Hessen hatte inzwischen, erheblich verspätet, am

13. Juli abends, den Befehl des Oberkommandos zur Vereinigung beiUffenheim erhalten und es nicht mehr verhüten können, daß ein bedeuten-der Teil seiner Kräfte, der schon auf dem Wege nach Schweinfurt war,unnötig Teilniederlagen erlitt. Mit Mühe gelang es, bis zum Abend des

14. Juli die nördlich Frankfurt a. M. versammelte badische Division mitder Eisenbahn nach Babenhausen überzuführen, die württembergische beiHanau den Main überschreiten zu lassen, die hessische südlich Seligenstadt anzuhalten, während die österreichisch-nassauische bei Babenhausen undDarmstadt , die Reservekavallerie noch nördlich des Maines war. EinBlick auf die Karte lehrt, daß das 8. Bundeskorps in die übelste Lagegeraten mußte, wenn General v. Falckenstein am 15. Juli kräftig über denMain in der Richtung auf Darmstadt vorstieß. Er hätte sich mit seinensiegreichen Truppen inmitten der noch zerstreuten Streitkräfte des PrinzenAlexander befunden. Aber dies äußerste trat nicht ein. Der Generalwendete sich, in Verkennung der Lage, über Hanau nach Frankfurt a. M.,wo er am 17. Juli gegen Abend seinen Einzug hielt.

So konnte sich das Bundeskorps einer neuen Entscheidung entziehen,die vermutlich verhängnisvoll ausgefallen sein würde, und am 15. die