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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Luxemburger Frage. Eifersucht Frankreichs

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nächsten fünf Jahre für unvermeidlich, jedes weiter verfließende Jahr da-her für einen Gewinn Frankreichs, das den Vorsprung des NorddeutschenBundes mehr und mehr ausgleichen konnte.Je früher wir also hand-gemein werden, desto besser. Der gegenwärtige Anlaß ist gut. Er hateinen nationalen Charakter, man benütze ihn also."

Der König und Bismarck aber hielten die Frage nicht für ernst genug,um den Grund zum Kriege zu bilden. Napoleon schien der Ausgang imhöchsten Grade unsicher. So kam ein Vergleich zustande. Preußen zogseine Truppen zurück; die Festung wurde geschleift, das Land für neutralerklärt. Das Kriegsgespenst war noch einmal verscheucht, aber nicht fürimmer gebannt. Ja es scheint, daß Preußens Mäßigung in der Luxem-burger Frage Frankreich nur dreister gemacht hat. Das unsinnigste allerpolitischen SchlagworteRache für Sadowa", als ob die Franzosen am3. Juli 1866 geschlagen worden seien, ertönte immer lauter.

Vergeblich suchte Napoleon III. die Gemüter durch innerpvlitische Zu-geständnisse zu beruhigen. Aber die Abstimmung über die neue Verfassung,die zugleich eine Abstimmung über den Bestand seiner Herrschaft war, sielbedrohlich aus. Zwar kamen auf 7 Millionen Stimmen mitja" nur1^2 mitnein"; unter diesen aber befand sich eine immerhin stattlicheAnzahl aus den Reihen der Armee. Ein Krieg gegen Preußen konntedas im Innern drohende Unheil abwenden ; am Hofe bildete sich eineKriegspartei, die für den zögernden Kaiser handeln wollte, und dieser,durch ein schweres Leiden geschwächt, leistete nur matten Widerstand.

Ein Zwischenfall führte die Entscheidung herbei.

Im September 1868 hatte ein Aufstand die Königin Jsabella ausSpanien vertrieben. Aber die Cortes beschlossen trotzdem die Aufrecht-erhaltung der konstitutionellen Monarchie, einstweilen mit einem Regentenan der Spitze. Mit auswärtigen Fürsten wurden Verbindungen ange-knüpft, ohne daß man zum Ziele kam. Am 2. Juli 1370 entschied sichnach längeren wechselnden Verhandlungen das spanische Ministerium fürden Prinzen Leopold von Hohenzollern aus der katholischen süddeutschenLinie des Hauses, das durch Stephanie von Baden, Napoleons I. Adoptiv-tochter, mit den Napoleoniden verwandt war. Fürst Karl Anton hattederen Tochter Josesine heimgeführt; sie war des erwählten Prinzen Leo-pold Mutter. Trotzdem rief die Wahl in Frankreich einen von der Kriegs-partei künstlich geschürten Sturm hervor. Sie wurde als eine preußischeMachenschaft dargestellt, bestimmt, Frankreich zwischen zwei Feuer zu brin-gen. Man sprach von der Wiederaufrichtung der UniversalmonarchieKarls V. zugunsten der Hohenzollern . Daß die fürstliche Linie der Hohen-