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damals erkannte man dies aber nicht mit der gleichen Sicherheit. Einzelneihrer Truppenteile — wie das 3. Marsch-Zuavenregiment bei Beaune —hatten eine sehr beachtenswerte kriegerische Leistungsfähigkeit an den Taggelegt. General v. Hartmann, der dort zurückgeblieben war, fand nochimmer Widerstand und kam nicht vorwärts.
Nun erhielt der Prinz in Orleans durch den ihm und seiner Um-gebung schon lange bekannten und persönlich ergebenen Timeskorrespon-denten die bestimmte Nachricht, daß die Regierung der Nationalverteidigungin der Tat den rettenden Zug gegen die Hauptstadt, unter Umgebung deslinken Flügels der II. deutschen Armee, beabsichtigt habe. Man konntees ihr zutrauen, diesen Plan mit frisch herangeführten Truppen wiederaufzunehmen.
Der Prinz neigte daher zu der Ansicht, daß die Verfolgung einstweilenmit der Masse der II. Armee nicht über die Loire hinaus ausgedehntwerden dürfe. Es mag dahingestellt bleiben, inwiefern der Besitz dergroßen und wohlhabenden Stadt Orleans mit ihrer gut angebauten Um-gebung einen Einfluß auf die taktischen und strategischen Erwägungenausübte. Die Truppen hatten nach den letzten bedeutenden Mühen undEntbehrungen des Winterfeldzuges Ruhe und bequeme Unterkunft dringendnötig. Denkt man sich an die Stelle von Orleans einen kleinen, elendenOrt, so wären auch die militärischen Erwägungen vielleicht anders aus-gefallen. Rein menschliche Beweggründe spielen im Kriege oft eine be-deutende Rolle.
Nur nach Südwesten — aber am rechten Loireufer — war ein weiter-gehendes Unternehmen notwendig. Dorthin war der linke Flügel der Loire-armee zurückgewichen, wohl um Tours zu sichern. Das passive Verhaltendieses Flügels am 3. und 4. Dezember erweckte den Glauben, daß ernsterWiderstand auf dieser Seite nicht mehr zu gewärtigen sei. Die Armee-abteilung des Großherzogs wurde für ausreichend gehalten, den Feldzugin dieser Richtung erfolgreich fortzuführen und zugleich die Regierungs-delegation aus Tours zu vertreiben. Sie erhielt noch am 5. DezemberBefehl dazu und war wieder selbständig. Die Trennung von der II. Armeewurde überdies wohltätig empfunden. Zwei Oberkommandos, von denendas eine dem andern unterstellt ist, aber seine eigene Verbindung mitdem Großen Hauptquartier aufrecht erhält, sind der einheitlichen Führungnicht vorteilhaft.
Nach Süden wurde nur die 6. Kavalleriedivision unter dem fortan alsKavallerieführer in den Vordergrund tretenden General v. Schmidt deniFeinde nachgesandt. Sie arbeitete sich unter einer Reihe von Gefechten