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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VIII. Der Krieg von 1870/71

gegen französische Nachhutabteilungen und bewaffnete Einwohner bis Vierzon vorwärts, wo sie am 8. Dezember einrückte, Eisenbahn und Telegraphzerstörte und 70 Güterwagen erbeutete. Das 15. französische Korps hattetags zuvor auf einen Befehl von Tours schon die große Straße dorthinverlassen und sich durch einen Flankenmarsch von 4 deutschen Meilen aufdie Chaussee GienBourges nach Aubigny Ville versetzt. Zahlreiche Ver-sprengte sowie zurückgelassenes Kriegsmaterial deuteten eine fast völligeAuflösung des Gegners an.

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Die Negierungsdelegation in Tours hatte inzwischen aus der Not eineTugend gemacht, den General dÄurelle seines Kommandos enthoben unddie ohnehin in zwei Gruppen auseinandergetriebene Loirearmee in eine I.unter Bourbaki bei Bourges und eine II. unter Chanzy am rechten Loireuferbei Beaugency getrennt. Beide sollten selbständig handeln, wohlverstandenaber nach den strategischen Eingebungen Gambettas und Freycinets. In an-erkennenswerter Weise sorgte die Delegation zugleich für Verstärkungen.Auf dem rechten Flügel der H. Loirearmee bei Beaugency erschien vonTours her die neugebildete Division Camü, auf dem linken wurde ihrdas am Walde von Marchenoir stehende 21. Korps unter demOapitainsäs vaisseau- Jaures einverleibt. Chanzy verfügte demnach über 3^,Bourbaki über 3 Korps.

Was Prinz Friedrich Karl vorgeschwebt hatte, war in der Tat, wennanch in veränderter Richtung, Absicht der obersten französischen Heeres-leitung gewesen. Sie ersah aus den ihr zukommenden Nachrichten, daßBourbaki unverfolgt zurückginge und forderte ihn dringend auf, wiedereinzugreifen. Er erklärte, daß seine Truppen dazu unfähig seien. Ja,er wollte noch über Bourges hinaus weiter südlich zurückgehen. Mit Mühehielt ihn der persönlich nach Bourges geeilte Kriegsminister davon ab.So blieb er denn bei Bourges und zog seine Armee dort zusammen.Über diese äußerte sich Gambetta selbst: eneors oe oue j'ai vu äs

plus triste!" und verzichtete auch seinerseits vorläufig auf die Offensive.

Der Großherzog brach, nach einem einzigen Ruhetage, am 7. von Orleans auf, um seiner tags zuvor gen Südwest vorangeeilten Kavallerie zu folgen.Nahen starken Widerstand nicht besorgend, ging er in zwei Meilen breiterFront vor. Rechts marschierte die 22. Infanteriedivision mit der 4., linksan der Loire entlang die 17. mit der 2. Kavalleriedivision, in der Mittedas 1. bayerische Korps. Alle Truppenteile waren numerisch schwach; dieInfanterie zählte im ganzen 27 000 Mann. Ohne es vorläufig zu ahnen,