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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VIII. Der Krieg von 1870/71

Ivre und Le Mans nicht geführt werden. Aus der nahen Berührungmit dem Gegner entspann sich trotzdem der Kampf, der bald derart anLebhaftigkeit zunahm, daß sich Prinz Friedrich Karl Mittags veranlaßtsah, das 10. Korps von seiner umfassenden Bewegung ab und nach demGefechtsfelde des 3. Korps heranzurufen. Ein dahingehender Befehl wurdebefördert. Auch Von rechts mußte Unterstützung gebracht werden. Zunächst nahmdort die 12. Brigade Champagne nach lebhaftem Gefecht von neuem inBesitz und zog sich dann an ihr Korps heran, während das bei St. Hubertin Reserve stehende 9. Korps, das aber nur die 18. Infanteriedivision beisich hatte, Befehl erhielt, das Plateau d'Auvours zu erstürmen.

Um 1 Uhr nachmittags begann der Angriff. Der Augenzeuge wurdeunwillkürlich an St. Privat erinnert. Auch hier waren ähnliche Ab-hänge zu ersteigen, die oben von verbarrikadierten Höfen, Gärten undSchützengräben gekrönt, von Schnee bedeckt, steiler und höher waren alsdort. Man befürchtete daher sehr schwere Verluste. Aber die Truppehatte seit den Augustschlachten an Erfahrung und Vorsicht gelernt. AlleFalten und Hohlwege benutzend, arbeitete sie sich gemeinschaftlich mit denzurückgebliebenen Bataillonen der 12. Brigade zur Höhe hinan. Drobenfolgte noch rollendes Schützenfeuer; dann längeres sich hinziehendes Gefechtund um 5 Uhr war die Hochfläche in deutscher Hand. Zwar erstieg ineinem heftigen und starken Gegenstoß der Feind noch einmal, schon inder Dunkelheit, den Westrand. Den verlorenen wichtigen Posten aber wie-derzuerobern, gelang ihm nicht.

Nunmehr war das 3. Korps nach rechts hin geschützt und arbeitete sichunter hin und her wogendem Gefecht an den Huisnefluß heran, dessenBrücke bei Ivre schon besetzt worden war. Nach links hin mußte es sichbei dem Pachthofe Le Tertre eines starken Stoßes in seine linke Flankeerwehren. Dort war das 10. Korps vergeblich erwartet worden.

General v. Voigts-Rhetz hatte nämlich den wichtigen Entschluß gefaßt,dieses Korps von Grand Luce auf die Straße von Tours nach Le Mans hinüberzuführen und so einen wirksameren Druck auf den äußersten rechtenFlügel des Feindes auszuüben. Aber auf den mangelhaften, verschneitenund von Glatteis bedeckten Querwegen ging der Marsch nur langsamvorwärts. Der Befehl des Prinzen, nach rechts heranzurücken, holte dasKorps unterwegs noch ein. General v. Voigts-Rhetz aber blieb bei seinemEntschlüsse, richtig erkennend, daß jetzt ein Stoß gegen die Vorstadt Pont-lieue eindrucksvoller wäre, als unmittelbare Unterstützung des 3. Korps,von dem heftiger Gefechtslärm herübertönte.

Nach großen Mühen erreichte Voigts-Rhetz Mulsanne, sicherte sich bei