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Das Geld : Darlegung der Grundlehren von dem Gelde, insbesondere der wirtschaftlichen und der rechtsgiltigen Functionen des Geldes, mit einer Erörterung über das Kapital und die Übertragung der Nutzungen / von Karl Knies
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ursachung sehr verschiedener Meinung war. Und gewiss genügt esauch Denen gegenüber, welche auf die besonderen Erfahrungen inunserer Gegonwart verweisen, die beiden Mahnungen zu verzeichnen,einmal dass nicht nach den ganz außerordentlichen Erlebnissen einereinzelnen Zeitperiodo, innerhalb welcher sich eine empfindlicheGoldwortiinderung vollzieht, der gewöhnliche und durchschnittlicheVerlauf der Dingo bomossen werden darf; sodann, dass hier demUmfang nach vor Allem solche Zeiträume maßgebend in Betrachtkommen, welche die auf Wertaufbewahrung gerichteten Bestrebungenund Interosscn der einzelnen Wirtschafter, beziehungsweise dereinzelnen lebenden Generationen zu umspannen pflegen.

Die Frage: zu welchem Zwecke das Geld für Wertaufbewah-rung gebraucht oder ich darf wohl das Wort gebrauchen alsintortemporaler Wertträger in Funktion gesetzt wird, und welcheeffektive Verwendung der im Geld auf bewahrte Wort schließ-lich findet, ist von dem thatsächlichen Auftreten des Geldes in jenerFunktion genau zu sondern.

Zunächst bemerklich macht sich die Bestimmung und Verwen-dung des Geldes zur Schatzbildung. In der That, den Wert-bewahrungsdienst leistet das Geld gerade auch dann, wenn es alssogenanntes totes Kapital von dem Geizhals zur Hand behalten, indespotisch regierten Ländern verheimlicht und vergraben, in anderenwie zur Befriedigung einer kindlichen Besitzfreude mehr und mehraufgestapelt wird. An dieser Schatzbildung können auch die Geräteu. s. w. aus edlem Metall beteiligt werden. Es ist bekannt, welchegrolle Rollo solche ohne geplante spätere Verwendung aufgesam-melten Schätze in den ersten Perioden aller Kulturvölker, insbe-sondere aber auch mit so bedeutsamen Folgen für den modernenGeldmarkt in den andauernden Lebensgewohnheiten großer asiati-scher Völker spielen! Von einer Wertaufbewahrung kann freilichimmer nur soweithin die Rede sein, als die vergrabenen Schätzenicht verloren gehen. Unter den wirtschaftlich rationalistischenKulturvölkern verliert sich diese Form der Schatzbildung immermehr. \\ ährend die weniger bemittelten Stände den Anregungendor Geschäftsleute zu sofortiger Ausleihung auch kleinerer Geld-vorräte naehgehen lernen, tritt unter den Reicheren eine thatsäch-