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musste er sich um so fester au den Rest halten. Deutschland ins-besondere war später als andere Völker, mit denen es auf wirt-schaftlichem Gebiete sich vergleichen musste, für die Goldwährungherangereift. Aber es war doch nun auch der Silberwährung ent-wachsen. Das bezeugt die große Veränderung in unseren Einnah-men und unseren Ausgaben, unserer Produktionsweise und unserenKonsumtionssitten, unserem auswärtigen und unserem binnenländi-schen Verkehr — aber auch die geographische Ausdehnung allerunserer Kulturbeziige und die neue politische Ordnung für dasgroße, sicher und rasch auf der Weltbühne vorstrebende Volk.Enger als man glaubt, war die Silberwährung mit unserem früherenStaatenbunde und ist die Einführung der Goldwährung, welche schondurch eine vielstaatliche Freiheit der Scheidemünzenprägung ingroße Gefahr kommen könnte, mit „Kaiser und Reich“ vorwachsen.Und wie groß musste der neuen deutschen Reichsregierung dieGunst des Schicksals erscheinen, dass der reiche feindliche Nachbarjenseits der Vogesen mit der „Kriegsentschädigungs“-Summe dieKosten für die Ausprägung der vielen Goldstücke als deutschesWährungsgeld tragen half, während eine hochgesteigerte Goldpro-duktion sich eingestellt hatte und eine Wertverminderung lur dasaus der deutschen Münzform in den Verkehr zurückzugebeude Silbernicht vorfindlich war. Auch an den beiden letzteren Angaben lässtsich nicht zweifeln, selbst wenn man die hierüber von Soetbeerfestgestellte Bezifferung nur „cum grano salis 1 zulassen will. Wäh-rend die Goldproduktion 1821—1880 wenig über 142 000 Kilogrammbetragen hatte, war die
1881-1840
1841—1850
1851-1860
1861-1870
1871—1873
\\ ertrelationvon Silber zu Gold
Goldproduktion
203 000 Kilogr.548 0002,018 0001,885 000
Durch die deutschen Reichsgesetze vom 8. Dezember 1871 und9. Juli 1873 ist jedoch ein vollständiger Übergang zu der grund-sätzlich angenommenen Goldwährung bis heute nicht bewerkstelligt