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Das Geld : Darlegung der Grundlehren von dem Gelde, insbesondere der wirtschaftlichen und der rechtsgiltigen Functionen des Geldes, mit einer Erörterung über das Kapital und die Übertragung der Nutzungen / von Karl Knies
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ausbeuten können. Dagegen war ein geringes Sinken des Silbersunter die in Frankreich seit 1803 angenommene Relation von 1 : 15, Bwiederum genügend, um in diesem Lande gegen die Absicht derGesetzgeber während der ersten fünf Jahrzehnte das Silbergeld alleinzum regulären Geld zu machen, und dem Goldgelde ein Agio zuverschaffen. Die im Jahre 1810 vollzogene gesetzliche Einführungder einfachen Goldwährung in England hatte schon deshalb keinenbedeutsamen Einfluß auf die allgemeine Entwickelung der Währungs-frage ausüben können, weil England schon seit längerer Zeit wegenzu niedriger Wertung des Silbers nur nominell gemischte Währunggehabt, thatsächlich nur des Goldgeldes als Kourantgeld sich bedienthatte. Um die Mitte des Jahrhunderts treten dann aber jene neuestenEntschließungen einer großen Reihe von Staaten auf, welche sichinsbesondere auch zu einer überlegten Entscheidung für oder widerdie Doppelwährung gestalten mussten. Holland (1850), Belgien (1850) und Neapel (1854) traten von der Doppelwährung zur ein-fachen Silberwährung, Nordamerika (1853) von derselben zur Gold-währung über. Dagegen gelang es dem großen politischen Einflussder kaiserlichen Regierung Frankreichs , trotzdem dass dieses Landselbst seit 1850 ganz überwiegend zur Goldmünzung und zum Ge-brauch der Goldmünzen im Verkehr übergegangen war, durch Ab-schluss einerlateinischen Münzunion in einer Reihe andererLänder vorab in den Nachbarstaaten Belgien und Schweiz (1865)der Doppelwährung auf Grund jener Wertrelation von 1 : 15, 5 gesetz-liche Geltung zu verschaffen.

Die deutschen Staaten mit ihrer Silberwährung empfanden seitder Verbreitung der Eisenbahnen ansteigend schwerer die Verschie-denheit der vielen Münzsysteme, aber die einfache Silberwährungwar überall (nur in Bremen die Goldwährung) auch an Stelle frühererDoppelwährung einheimisch geworden. Eine Befürwortung der Gold-währung von J. G. Iloffmann (Drei Aufsätze über das Münzwesen1832) hatte eine weit überwiegend gebilligte Zurückweisung durchF. B. W. Hermann (Archiv der politischen Ökonomie I, 1835),erfahren, wenngleich Hoffmann selbst bei seiner Meinung beharrtwar (Lehre vom Geld 1838; Zeichen der Zeit im deutschen Münz-wesen 1841). Inmitten der ersten Aufregung, welche die große