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Verstärkung der Goldproduktion in den 50er Jahren brachte, spra-chen sich das Lehrbuch, Aufsätze und Broschüren zu Gunsten desBeharrens bei der Silberwährung aus. Auch die Mitglieder derstaatswirtschaftlichen Fakultät zu Tübingen erklärten sich ausdrück-lich „in der Hauptsache“ mit G. F. Kolb einverstanden, als diesersehr entschieden für die Silberwährung gegen die Goldwährung auf-trat (Zeitschrift für dio ges. Staatsw. 185(5, S. 48(5). Die Beschlüsseder deutschen llandelstago waren noch 1861 (zu Heidelberg) und1865 (zu Frankfurt a. M.) zu Gunsten der Silberwährung. Alledeutschen Zollvereins-Regierungen waren 1857 während der Verhand-lungen mit Österreich gegen Österreich für Aufrechthaltung derSilberwährung. Doch war eine Gegenströmung zu Gunsten derGoldwährung insbesondere von Hamburg aus eingeleitet und zumaldurch A. Sootbeer („Das Gold, eine geschichtliche und volkswirt-schaftliche Skizze“ in der Brockhaus’schen „Gegenwart“ Band IX,S. 534; Denkschrift, betreffend die Einführung der Goldwährung inDeutschland, Hamburg, Oktbr. 1856) gefördert. Sie gewann allmäligdie öilentliche Meinung, auch die Mehrheit des Handelsstandes, wiesich 1868 auf dem Handelstag zu Berlin zeigte. Von sehr bedeu-tendem Einiluss waren hierfür die Verhandlungen auf der inter-nationalen Münzkonferenz zu Paris ( 1867) gewesen, obgleich sichdort die Vertreter Preussens dahin ausgesprochen hatten, dass einBedürfnis nach einem Dbergang zur Goldwährung für Preussen nichtvorhanden sei.
Die Kontroverse über die Doppelwährung aber galt alserledigt. Hatte man doch in der Gegenwart einen so lebhaftenund doch mit den modernen Transportmitteln so leicht zu bewälti-genden Verkehr auch zwischen Ländern mit verschiedener Währung.Dazu dio große Zahl der Orte, in denen stetig „der für die gesamtehandeltreibende Welt maßgebende Londoner Silberpreis“ und jedeSchwankung in der Wertrelation der edlen Metalle kundgegebenwurden. Auch war ein Ilandelsstand über die ganze Erde verbreitet,der den Willen und die Macht hatte, eintretende Wertänderungen deredlen Metalle sofort und möglichst umfassend auszuniitzen. Schonwaren die Länder mit Doppelwährung, Frankreich voran, ein ergie-