Österreichern die geringsten Ansätze zu bemerkenwaren! Erinnerungen an den alten Bund wurden ausder politischen Rumpelkammer hervorgeholt, eineSicherung der Linie Krakau—Bodensee verlangt, woüberwiegend Deutsche wohnen, die eher an An-schluß als an Angriff dachten!
Als unser Botschafter in Paris, Fürst Hohenlohe,im April 1875 (Nr. 169) berichtete, der damalige Mi-nister des Äußeren, Herzog Decazes, habe vor-geschlagen, gegenseitig zu entwaffnen und das be-stehende Mißtrauen aufzugeben, daß ferner die Frie-densliebe beim Herzog wie beim Präsidenten MacMahon eine ungeheuchelte sei und daß Frankreich so-bald keinen Krieg führen könne, eine Ansicht, dieauch der Militärattache von Bülow bestätigte, wurdeer dahin belehrt, „daß das Endziel der französischenBestrebungen dennoch die baldige Instandsetzungder Armee zu einem Feldzug gegen Deutschland bleibt."
Sein Nachfolger in Paris, Graf Münster, vertrittim Dezember 1886 in einem Immediat - Bericht(Nr. 1240) die Ansicht, daß eine durchaus friedlicheStimmung das Land durchweht. „Die Idee der Re-vanche verblaßt“, der allgemeine Eindruck sei derder Besorgnis, selbst der Furcht vor dem Kriege unddaß, wie die Lage und die Stimmung in Frankreich sind, er nicht glauben könne, daß von dieser SeiteKrieg zu erwarten wäre. Hierauf wird er in einemgereizten Erlaß dahin belehrt, daß angesichts solcherAnsichten die Reichsregierung kaum in der Lage wäre,die neue Militärvorlage vor dem Reichstag zu ver-treten. „Euer pp. treten, indem Sie Seiner Majestätdem Kaiser direkt eine so eingehende und nachdrück-liche Darlegung Ihrer Überzeugung von den fried-lichen Absichten Frankreichs und seiner Regierung