Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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Diese Tendenz führte bekanntlich zur NichterneuerungdesRückversicherungsvertrages". Bismarcks man-gelnde Kenntnis österreichischer Zustände, ähnlichseiner Unkenntnis des Wesens der Römischen Kirche ,seine Unterschätzung nationaler Bewegungen undderen Bedeutung für die Balkanpolitik, auch seineBesorgnis vor einer tatsächlich undenkbaren Rück-kehr Österreichs zur Politik des Status quo ante 1866,die dort weder die Deutschen noch die Slawen wünsch-ten, seine Gesamteinstellung als konservativ-dyna-stischer Politiker, die zu einer Überschätzung desHabsburger Kaisertums führte, namentlich aber seinHaß gegen Gortschakow sowie seine ganz unbegrün-dete Angst vor Koalitionen, hatten den Diktatorveranlaßt, sich mit der obsoleten FirmaAustria ",einem dynastischen und mittelalterlichen Gebilde, zuverbünden, das man später nur noch in Berlin ernstnahm, sonst nirgends, nicht einmal in Wien ! Die Irr-tümer des Meisters beherrschten aber das ganze Epi-gonenzeitalter und wurden zu einem System ausge-baut, das schließlich zum Untergang führte.

Aus den Akten erhellt, wie verzweifelt der rus-sische Minister des Äußeren, Herr von Giers, war überdie Nichterneuerung des Vertrages mit Deutschland ,ein Vertrag, der dem Russischen Reich eine Sicherungder Westgrenze bedeutete, und wie er sich immerwieder über den Mangel schriftlicher Abmachungenzwischen den beiden Kaiserreichen beklagte. DieseUnterlassung sowie die lärmende Erneuerung des un-seligen Dreibundes hatten bekanntlich den Russisch-Französischen Vertrag vom Jahre 1892 zur Folge,dessen Artikel 6 lautete:La presente conventionaura la meme duree que la Triple-Alliance." Das be-sagt genug.

Die Diadochen, deren Politik meist unter dem Ein-

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