fluß pathologischer Köpfe stand, betrachteten denDreibund, der außerhalb Deutschlands nur belächeltwurde, soweit man in ihm nicht eine ständige Kriegs-gefahr erblickte, als die wichtigste Grundlage unsererauswärtigen Politik, als der Weisheit letzten Schluß.In Wirklichkeit war er ein durch einen großen Namengeheiligter Unsinn!
Eine wachsende Spannung mit Rußland , dessenWohlwollen wir die Gründung des Reiches in ersterLinie verdankten, wie Wilhelm I. es in seinem be-kannten Versailler Telegramm an Alexander II. an-erkannte, ein Staat, mit dem wir nirgends Reibungenhatten, falls wir auf unsere sinnlose Orientpolitik ver-zichteten, war die Folge. Als slawisch-orthodoxeTheokratie betrachtete Rußland , — natürlich imGegensatz zu Österreich-Ungarn und zur Türkei , —die Herstellung der Einigkeit und Unabhängigkeit derBalkanbrüder als seine kirchliche und nationale Mis-sion. Das nannte man dann die „panslawistische" Ge-fahr oder den Machthunger Rußlands ! —
Wir trieben auch schon zur Zeit Bismarckseine antirussische Orientpolitik. Als ich Ende derachtziger Jahre Sekretär an der Botschaft in Kon-stantinopel und später auch in Bukarest war, galtRußland als der Gegner, dessen „Intrigen" wir be-kämpften, Österreich-Ungarn aber und die Türkei alsunsere Freunde. Wir trafen damit die Wurzeln desCäsaropapismus.
Die Erhaltung des „Status quo" im Orient und im„Halborient", das heißt auf dem Balkan und in Öster-reich-Ungarn , war später das bequeme Rezept staats-männischer Hilflosigkeit und Verlegenheit. Die Abkehrvon Rußland , die im Jahre 1875 einsetzte, war tatsäch-lich der Urgrund unseres Niederganges. Die jugosla-wische, griechische, bulgarische Einigkeitsbewegung,
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