die unter russischem Protektorat stand, konnte aufdie Dauer ebensowenig bekämpft werden, wie etwaseinerzeit die italienische. Die Epigonenpolitik aberstützte sich lediglich auf die beiden europäischenKadaver, den austro-magyarischen und den osmani-schen; im übrigen wurde keine Gelegenheit versäumt,außer Rußland auch noch England und Frankreich zuvergrämen, und wenn sich ein Anlaß dazu bot, wurdenauch Japan und die Vereinigten Staaten nicht ge-schont. Zuerst haben wir Rußland in die Arme Frank-reichs getrieben und dann in die Englands .
Wir waren bei weitem die Stärksten in Europa undbeunruhigten die Welt durch immer neue Rüstungenzu Land und zur See, durch die Ablehnung jederRüstungsbeschränkung auf den Friedenskonferenzen,durch herausfordernde Reden an maßgebenden Stellenüber die „gepanzerte Faust“ und durch ähnliche Fan-faronaden und Rodomontaden, durch wiederholte undsinnlose Krisen, die den anderen nur die Wahl ließenzwischen Demütigung und Krieg, und die den Anscheinerweckten, als sei uns ein neuer Waffengang nicht un-willkommen. Diese Haltung bewirkte eine Annäherungder anderen Mächte, die alte Gegensätze begrubenund sich zum gegenseitigen Schutz untereinander ver-ständigten. Das nannte man dann die „Einkreisung“.
Die Entente war das Ergebnis der Marokkokrise,die Herr von Holstein inszenierte, obwohl Herr Del-casse, der meinen Einfluß sehr überschätzte, im Juli1904 in Paris zur maßlosen Wut des obigen Herrn ineinem zweistündigen Vortrag nach einem Diner aufder Deutschen Botschaft sich bereit erklärte, mituns über Marokko zu verhandeln. Aber Herr vonHolstein wollte damals ebensowenig die Verständigungmit Frankreich wie zehn Jahre später sein Nachfolgerdie mit England .
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