Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
31
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K ürzlich habe ich in anderer Tonart manches an-gedeutet und flüchtig charakterisiert, als jüngst dasHamburger Fremdenblatt an mich herantrat, um vonmir über ein markantes Ereignis meiner diplomatischenTätigkeit zu hören. Ich schrieb:Meine Berufungauf den Londoner Botschafter-Posten war zweifellosdas markanteste Ereignis meiner dienstlichen Ver-gangenheit. Wie verfiel man gerade auf mich? Wes-halb wurde ein Mann, der es nicht weiter hatte bringenkönnen als zum Botschaftsrat (allerdings im Alter von34 Jahren) und zum Vortragenden Rat im AuswärtigenAmt mit dem Range eines Gesandten, der nachherdurch acht Jahre sich nur als Provinzial- und Kreis-ausschußmitglied mit Chausseen, Hebammenlehr- undTaubstummen-Anstalten, der Verpachtung von Kirsch-bäumen und ähnlichen nützlichen Dingen öffentlich be-tätigen konnte, der gelegentlich Artikel über aus-wärtige Politik verfaßte und die Hoffnung auf einenicht lediglich auf Diners und Jours beschränktediplomatische Tätigkeit längst aufgegeben hatte, plötz-lich und ohne sein Zutun auf den wichtigsten diplo-matischen Posten berufen?

Meine Unzulänglichkeit war erwiesen, denn Herrv. Holstein war dieser Ansicht. Er erklärte mich füreinenWirrkopf, Vermutlich weil ich seinen Ge-dankenwindungen nicht folgen konnte. Er hielt michfür einen Freigeist. Solche Leute sind gefährlich. Siestören die Gemütlichkeit. Man darf nur solche Bot-schafter dulden, die so berichten, wie man es lesen