Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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will. Dieser Standpunkt war ja vollkommen berechtigt.Die Politik ist Privatsport, ein Sport mit großem Ein-satz. Man verfügte an der Zentrale über unerhörteMachtmittel. Weshalb sollte man sie nicht nützen?Kontrolle gab es keine. Derplebs, pecus, vulgusglaubte alles, was man ihm durch Wort und Schrift er-zählte.Einkreisung,von Feinden umringt" undähnliche schöne Floskeln, die dem deutschen ahnungs-losen Spießer von ahnungslosen Bureaukraten, Diplo-maten und Soldaten, um ihm zu graulen, vorgegaukeltwurden. Immer neue Rüstungen! Dazu braucht manGeld. Zahlen will nur derjenige, der zahlen muß, seies aus Furcht, sei es aus Liebe. Kurzum, wir warenvon Feinden umringt, die aber nur vor uns Angsthatten und uns nicht trauten.

Entschuldigen Sie diese Abweichung. Meine Aus-führungen werden sicherlich den ungünstigsten Ein-druck, den meine diplomatische Vergangenheit beiIhren Lesern hervorgebracht hat, nur noch bekräftigen.Es ist immer eine mißliche Sache, anderer Ansicht zusein als die Schriftgelehrten. Das führt, wie wir wissen,zu üblen Konsequenzen. Also, ich wurde zu meinerÜberraschung als Botschafter nach London berufen.Weshalb? Das kann ich Ihnen nicht verraten.

Wegen meiner Befähigung konnte es nicht gewesensein. War es meine Unfähigkeit? Schwerlich, denndann hätte man schon früher an mich gedacht. S. M.war mir stets ein gnädiger Gönner. Zu seinen Intimengehörte ich aber nicht. Seine Günstlinge wurden auchmeist mit Erfolg bekämpft.

Graf Metternich war gegangen worden. Nun suchteman einen Nachfolger. Die Leitung des AuswärtigenAmtes, die sich außer mit phantasievoller Politikhauptsächlich mit der Vermittlung von angenehmenPosten befaßte, hatte einen ihrer Mitarbeiter ins Auge

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