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1 (1927)
Entstehung
Seite
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aber werde die englische Politik, ob nun Sir EdwardGrey oder ein anderer Staatsmann die Geschichte desInselvolkes leite, niemals dulden, daß wir die Franzosenvernichten oder auch nur schwächen. Die ErhaltungFrankreichs in seiner bisherigen Machtstellung alsGegengewicht gegen Deutschland und namentlich auchdas Bestreben, den deutschen Machtbereich durch einetwaiges Abhängigkeitsverhältnis Westeuropas nichtan die englischen Küsten gelangen zu lassen, bildetendie wichtigsten Grundlagen der britischen Auslands-politik.

Wir müßten uns klar sein, daß ein Krieg mitFrankreich auch gleichzeitg einen mit England be-deute ; letzteres werde unter allen Umständenseine schützende Hand über Frankreich halten. DerEintritt Englands in einen solchen Kampf würde da-her nur eine Frage der Zeit sein.

Ich hatte in diesem Sinne seit meiner Ankunft inLondon wiederholt berichtet. Gleich in den erstenWochen meiner dienstlichen Tätigkeit, als der ersteBalkankrieg ausbrach, erschien Lord Haldane bei mirund gab mir deutlich zu verstehen, wahrscheinlich imAufträge des mit ihm engbefreundeten Sir EdwardGrey, daß England nicht unbeteiligt bleiben könne,falls der Balkankrieg zu einem europäischen Kriegeführen sollte, da die Erhaltung Frankreichs ein Lebens-interesse Englands bedeute. Wiederholte AnspielungenSir Edward Greys im Laufe meiner Londoner Amts-zeit bestärkten mich in dieser Überzeugung. Die Bot-schafterkonferenz in London, die Sir Edward Grey an-geregt hatte, entsprang dem Wunsche dieses Staats-mannes, durch Schaffung eines Clearing-house etwaauftretende Gegensätze zwischen den Gruppen zumildern und friedlich zum Austrag zu bringen. DieSchaffung des Fürstentums Albanien auf Betreiben

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