Österreichs und Italiens wurde von Herrn Cambon leb-haft bekämpft, Sir Edward Grey aber trat hierbei ent-schieden für die Wünsche der Dreibundmächte ein,die es durch seine Mitwirkung erreichten, daß dieGrenzen des Fürstentums im wesentlichen nach Maß-gabe unserer Wünsche festgestellt wurden. Italien be-hielt gegen Frankreich in der Frage Nord-Epirus dieOberhand, und Österreich gegen Rußland in denFragen Skutari und serbischer Adriahafen. Auch derin London geschlossene erste Balkanfrieden entsprachim wesentlichen den österreichischen Wünschen. Derdurch Österreich geförderte Größenwahn Bulgariens unter Herrn Danew führte jedoch zum zweiten Balkan-krieg, bei dem Bulgarien, auf das Österreich seineganzen Hoffnungen gesetzt hatte, unterlag und schließ-lich zu dem unter dem Protest Österreichs ge-schlossenen Bukarester Frieden.
Ich erlaubte mir ferner dem Herrn Reichskanzlergegenüber die Ansicht zu vertreten, daß nach meinenLondoner Wahrnehmungen in Frankreich zwar derRevanchegedanke noch bestehe, daß er aber mehreine theoretische als praktische Bedeutung besitze,weil die Franzosen vor einem Kriege mit uns sichscheuten und namentlich die am Ruder befindlicheradikale Richtung pazifistisch sei. Diesen Eindruckhätten auch die Londoner Staatsmänner nach ihrerRückkehr vom Pariser Königsbesuche gehabt und mirübermittelt.
Was Rußland beträfe, so hätte mir Sir EdwardGrey wiederholt gesagt, daß seit Beilegung des FallesLiman von Sanders seiner Ansicht nach kein Grundzu einer beunruhigenden Beurteilung der russischenPolitik vorläge. Sowohl der Zar wie auch Herr Sa-sonow seien friedliebend. Denselben Eindruck hatteich auch bei meinen Gesprächen mit Graf Bencken-