Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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den letzten Tagen meines Londoner Aufenthalts ge-macht hat:Les Anglais interviendront, mais ils leferont quand ce sera trop tard. Auch war Herr Cam-bon über den bevorstehenden Abschluß des Bagdad -und Kolonialabkommens lebhaft beunruhigt, weil erhierin eine Grundlage erblickte für eine ferneredeutsch -britische Annäherung. Eine maßgebende Per-sönlichkeit des Foreign Office erzählte mir, daß HerrCambon alle Mittel in Bewegung setzte, um nament-lich das Kolonialabkommen zu Fall zu bringen undsich z. B. bitter darüber beklagte, daß England dieInseln San Thome und Principe uns preisgegeben habe,da diese Inseln nördlich des Äquators lägen und daherder bestehenden Vereinbarung gemäß dem französi-schen Interessengebiet zufielen. Auch erhielt HerrCambon aus Paris die Anweisung, häufiger wie bishersich öffentlich zu zeigen und gelegentlich auch Redenzu halten, um meiner Werbetätigkeit entgegen-zuwirken.

Nach meiner Ankunft in London am 6. Juli 1914begab ich mich unverzüglich zu Sir Edward Grey undsagte dem Minister dreierlei:

Erstens, daß die Haltung Rußlands und die russi-schen Rüstungen bei uns ein Gefühl des Mißbehagenshervorriefen. Der Minister entgegnete, daß seit demFalle Liman sich seines Wissens nichts ereignet habe,was für die deutsch -russischen Beziehungen zu Be-sorgnissen Anlaß geben könnte.

Zweitens sagte ich ihm, er müsse mir gestatten, einemehr private und freundschaftliche Bemerkung zumachen. Es sei nicht an mir, an ihn indiskrete Fragenzu stellen, da er aber wiederholt erklärt habe, es be-ständen zwischen England und einer fremden Machtkeine geheimen Abmachungen, so glaubte ich im In-teresse der beiderseitigen Beziehungen darauf hin-

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