verstehen zu geben, daß es für ihn schwer wäre, ge-wissen Strömungen, die auf vermehrte Rüstungen zurSee hinzielten, mit Erfolg zu begegnen, falls derartigeGerüchte Verbreitung und Glauben fänden. Auch lägedarin eine bedenkliche Ermutigung der russisch-französischen Kriegspartei, deren Bekämpfung sich SirEdward Grey zum Ziele gesetzt habe.
Die dem Auswärtigen Amte durch geheimeAgentenberichte seit längerer Zeit bekannten und ausder Marokkokrise stammenden englisch -französischeMarine-Abkommen und sonstige Verabredungen de-fensiver Natur waren der Botschaft nicht mitgeteiltworden. Sir Edward Grey, der in Paris allen an ihngerichteten Wünschen auf ein Bündnis ausgewichenwar, hat schließlich und wohl hauptsächlich auf Be-treiben des Herrn Iswolsky, sich genötigt gesehen, denEntentefreunden ein weiteres Zugeständnis zu machen.Über den praktischen Wert eines derartigen Planeserlaubte ich mir kein Urteil, doch kann ich mir nichtdenken, daß bei drohender Kriegsgefahr britischeHandelsschiffe in der Lage wären, ungehindert denSund zu passieren, um an der baltischen Küste größereTruppenmassen an Bord zu nehmen und dieselbenunter den Augen unserer Flotte in Pommern zulanden. Die in letzter Zeit eingetretene Besserungdeutsch- britischer Beziehungen hatte, wie ich aus ver-traulichen Bemerkungen entnehmen konnte, nament-lich in Paris beunruhigt. Von Herrn Iswolsky unter-stützt, drängten die Franzosen immer wieder in Lon-don nach greifbaren Beweisen der britischen Entente-gesinnung und nach einem Bündnisse. Wie sehr HerrCambon (französischer Botschafter in London) an derZuverlässigkeit der englischen Freundschaft bereitszu zweifeln anfing, geht aus einer Äußerung hervor,die er einer mit ihm und mir befreundeten Dame in
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