Malen während der Marokkokrisis. Dieselben hättenaber keinen aggressiven Charakter und daher füruns nichts Bedrohliches. Im übrigen wünsche er abernicht, mich irrezuführen und wolle mich darauf hin-weisen, daß die englischen Beziehungen zu denEntentemächten sehr intime seien.
Als ich einige Tage später bei Lord Beauchamp,dem Minister für öffentliche Arbeiten, auf dem Landeweilte, erzählte mir dieser, daß Sir Edward Grey meine Eröffnungen zum Gegenstand eines Vortragesim Kabinett gemacht habe und daß letzteres bestürztgewesen sei über die Möglichkeit einer abermaligenVerschärfung der europäischen Lage.
In der nun folgenden Zeit fand ich sowohl bei derRegierung wie bei der Londoner Presse zunächstvolles Verständnis für den österreichischen Stand-punkt, der durch Wiener und Budapester Meldungenimmer mehr an die Öffentlichkeit drang und durchMitteilungen des Grafen Mensdorff (österreichisch-ungarischer Botschafter in London) erläutert wurde.Erst die kriegerische Rede des Grafen Tisza brachteUnruhe in die öffentliche Meinung. Blätter wie die„Times" und die „Morning Post“ schwenkten zuerstund witterten in den Absichten Österreichs mehr alseine bloß rechtmäßige Sühne für das Verbrechen vonSarajewo und warnten vor einer Ausbeutung des Vor-falles zu politischen Zwecken. Ich war während dieserZeit unablässig bestrebt, den Minister und seinenKabinettschef Sir W. Tyrrell von der Notwendigkeitenergischer Maßnahmen gegen die serbischen Unruhe-stifter zu überzeugen und drängte, daß Sir EdwardGrey seinen Einfluß in Petersburg dahin gebrauche,daß Rußland sich nicht mit den „serbischen Mördern“identifiziere und die Berechtigung des österreichischenStandpunktes anerkenne.
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