Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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Ziehungen für unabsehbare Zeit auf eine sichereGrundlage gesetzt sähe.

Leider war ich bis Ende Juli nicht in der Lage, ihmirgend etwas zu bieten, was er als Entgegenkommenund als Beweis unseres aufrichtigen Wunsches, denFrieden zu erhalten, hätte deuten können. Der Wunsch,denKonflikt zu lokalisieren" und die RechtfertigungÖsterreichs war alles, womit ich an den Ministerherantreten konnte, trotzdem ich in Berlin unablässigauf die drohende Gefahr eines Weltkrieges hinwies.

Als ich noch Ende Juli Sir Edward Grey gegen-über auftragsgemäß den österreichischen Standpunktohne irgendeinen Vermittlungsvorschlag erläutern undvertreten mußte, wonach Serbien zunächst nieder-geworfen, dann von österreichischen Truppen besetztund schließlichau für et ä mesure" der Erfüllung derösterreichischen Forderungen, deren Maß nicht näherbezeichnet war, geräumt werden sollte, unter der Ver-sicherung, daß Österreich keine Gebietserwerbungenzu machen beabsichtige, erklärte der Minister, mankönne einen Staat auch ohne Gebietsbeschränkungenzum Vasallen herabwürdigen. Das Verhalten Öster-reichs erwecke Verdacht, daß eine Demütigung Ruß-lands beabsichtigt sei.

Ich habe nicht unterlassen, in Berlin darauf hinzu-weisen, daß unsere kühle Zurückhaltung allen Be-strebungen Sir Edward Greys gegenüber, mit unsHand in Hand die Brücke der Verständigung zu bauen,in London eine von Tag zu Tag wachsende Verstim-mung hervorrief, da man dort anfing, an unserem gutenWillen zu zweifeln. Auf meine Bitten, in Petersburg in mäßigendem Sinne zu wirken, entgegnete er mir,daß ihm bisher von einem entsprechenden parallelenDruck in Wien nichts bekannt geworden sei. ImGegenteil berichte Sir M. de Bunsen , daß Herr von

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