Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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Tschirschky unablässig zum Kriege hetzte und denWiener Staatsmännern den Rücken stärke. Auchwußte Graf Mensdorff und seine Herren zu erzählen,daß bei der Anfrage in Berlin die Aufforderung zurecht energischem Vorgehen als Antwort ergangen sei.

Trotz meiner Gegenversicherungen gewann derGlaube immer mehr an Boden, daß wir dem Kriegs-gedanken nicht abgeneigt seien, man sagte mir, daß,falls wir energisch wollten, es uns möglich sein würde,Österreich zu einer entgegenkommenderen Haltunggegen die russischen Wünsche zu veranlassen.

Die Zweifel, die Sir Edward Grey immer mehr anunserer Friedensliebe hegte, veranlaßten ihn, nach-dem er schon früher nicht mißzuverstehende Anspie-lungen gemacht hatte, am 29. die bekannte, in freund-schaftliche Form gekleidete Verwarnung an mich ge-langen zu lassen, wonach England bei einem euro-päischen Kriege nicht lange abseits würde stehenkönnen.

Ich erwiderte, wie das britische Blaubuch zeigt,daß ich immer in diesem Sinne berichtet hätte.

Immer wieder sann Sir Edward Grey nach Mitteln,um einen Ausweg aus der drohenden Kriegsgefahr zufinden. Als ich ihm melden konnte, daß zwischenPetersburg und Wien wieder direkte Unterhandlungenaufgenommen seien, atmete er erleichtert auf: ,,If thatis possible all the better. Sein Vorschlag einer Ver-sammlung der Botschafter der vier unbeteiligten Groß-mächte die Auslegung der noch strittigen Punkte desUltimatums zu überlassen, um eine Einigung zu er-zielen, erschien auch mir als ein geeigneter Weg, umdie Katastrophe zu vermeiden. Ich habe ihn lebhaftbefürwortet unter Hinweis darauf, daß der Weltkriegsonst unvermeidlich sei,bei dem wir alles zu verlierenund nichts zu gewinnen hätten". Wären meinen drin-

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