Leute, die für vielfache Millionäre galten, innerhalbweniger Tage nicht mehr wußten, ob sie überhauptnoch etwas besitzen.
Sir Edward Grey erblickte tatsächlich in dem Aus-bruch des Krieges den Zusammenbruch seiner auswär-tigen Politik. Noch in letzter Stunde beratschlagte ermit Sir W. Tyrrell, wie das Unheil abzuwenden sei.So ließ er mir am Vormittag des 1. August nach un-serer Kriegserklärung an Rußland durch Sir W. Tyr-rell sagen, er hoffe mir am Nachmittag einen Vor-schlag machen zu können, der es uns beiden ermög-licht, herauszubleiben. Auf meine Frage, worum essich handle, entgegnete Sir William mit der Frage, obwir, wenn Frankreich uns nicht angriffe, auch neutralbleiben würden, was ich in dem Sinne verstand, daßwir alsdann Frankreich nicht angreifen sollten. Erhatte aber gemeint, daß wir dann überhaupt neutralbleiben würden. Er eilte zu Sir Edward, welcher als-dann dieselbe Frage per Telephon aus der Kabinetts-sitzung an mich richtete. Ich ließ den Irrtum kurzdarauf durch Sir W. Tyrrell berichtigen.
Als ich Sir Edward nachmittags besuchte, spracher mir, wie er es auch schon früher getan, von derbelgischen Neutralität, deren Berücksichtigung ihm unddem Kabinett so sehr am Herzen liege, und sprachsein Bedauern aus über die Antwort, die Herr vonJagow im Gegensatz zu den Franzosen in dieserBeziehung gegeben habe. Er regte ferner den Ge-danken an, ob es nicht möglich sein würde, daß wirund Frankreich uns bewaffnet gegenüberständen, ohneuns anzugreifen. Auf meine Frage, ob er die Bürg-schaft übernehmen könne für ein entsprechendes Ver-halten der Franzosen , konnte er mir keine befriedi-gende Antwort geben. Ich sah, daß er selbst von derUnausführbarkeit überzeugt war, zwei Heere voll be-
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