Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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waffnet sich durch Monate untätig gegenüberstehen zulassen.

Auf meine Frage, ob England neutral bleiben werde,falls wir die belgische Neutralität nicht verletzten,konnte er mir keine bestimmte Antwort geben. Erkam aber wiederholt auf die belgische Neutralität zu-rück und bezeichnete, wie auch kurz darauf Mr. As-quith, diese sowie den Schutz der französischen Nord-küste als wesentlichste Forderungen Großbritanniens .

Inzwischen waren unsere Truppen in Luxemburgeinmarschiert, was ich damit begründete, daß die dor-tigen Bahnen sich im Besitze des Preußischen Staatesbefänden. Schon diese Verletzung der Neutralitäthatte in London einen peinlichen Eindruck hervor-gerufen und einen Umschwung der uns bis dahin nochgünstigen Stimmung. Die Verletzung der belgischenNeutralität aber brachte den Stein vollends ins Rollen.In großer Erregung erklärte mir Sir Edward Grey aufmeine diesbezüglichen Eröffnungen:It is not a que-ston of integrity, it is a question of neutrality undlehnte jede weitere Erörterung der Frage mit mir ab.

Am 1. und 2. August fanden die entscheidendenSitzungen des Kabinetts statt. Die bis dahin nochfriedliche Stimmung war in das Gegenteil umgeschla-gen. Am Sonntag, den 2. August, gab Sir Edward GreyHerrn Cambon zum ersten Male das Versprechen, daßer Frankreich unter gewissen Voraussetzungen bei-stehen würde. Am Montag, den 3., hielt Sir EdwardGrey seine bekannte kriegerische Rede, und am 4.folgte die Kriegserklärung.

Am Sonntag früh vor der entscheidenden Sitzungwar ich noch zu Mr. Asquith gegangen und versuchteihn für eine neutrale Haltung zu gewinnen. Der Pre-mier war sehr bewegt und sprach vom Kriege mitDeutschland alsquite unthinkable.It would be

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