Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
51
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very unpopulär in this country. Er gab mir aberkeine bestimmten Versicherungen,

Daß England neutral geblieben wäre, falls wir diebelgische Neutralität nicht verletzt hätten, ist nichtanzunehmen. Ich möchte aber meinen, daß es mir ge-lungen wäre, angesichts der starken Sympathien, derenwir uns in England erfreuten, die Regierung wenig-stens noch eine Zeitlang vom Eingreifen abzuhalten.Vielleicht hätte sie bis nach der Entscheidungsschlachtgewartet. Einen Gegner hatten wir jedenfalls imForeign Office in der Person Sir Arthur Nicolsons, dervon Anfang an für eine Beteiligung Englands eintratund in diesem Sinne Sir Edward Grey zu beeinflussenwußte. Im Kabinett soll Winston Churchill am leb-haftesten gegen die Neutralität gesprochen haben.

Nach der Kriegserklärung und vor meiner Abreiseverabschiedete ich mich auf den besonderen WunschSir Edward Greys von ihm in seiner Wohnung. DerMinister gab mir hierbei zu verstehen, daß England die möglichste Abkürzung des Krieges wünsche undjederzeit bereit sei, zu vermitteln, auch falls wir nichtdie gehofften Erfolge haben sollten.We do not wantto crush Germany."

Meine Berichterstattung und meine wiederholtendringenden Warnungen schützten mich vor dem Vorwurf,die Entwicklung der Ereignisse nicht vorausgesehenund vorausgesagt zu haben. Wenn auch die russischeMobilmachung den technischen Anstoß bildete zu demWeltkrieg, in dem wir uns befinden, so habe ich ausmeiner Überzeugung nie ein Hehl gemacht, daß Ruß-land nicht ein zweites Mal vor derschimmerndenWehr zurückweichen und die Vernichtung des ser-bischen Heeres durch Österreich ruhig mitansehenwürde. Das Vorgehen Österreichs gegen Serbien bil-dete den politischen Anstoß zum Weltkriege, dem alle