hängt von der Herrschaft einer einheit-lichen Idee ab und von der ethischenKraft, die dieser innewohnt. Dieses gemein-same Ideal fehlt aber in Österreich-Ungarn , ebensowie die einheitliche Sprache, und Bismarck schriebdaher gelegentlich, er habe eine geradezu abergläu-bische Scheu davor, sich mit den Schicksalen Öster-reichs zu eng zu verflechten, ein Gedanke, dem übri-gens auch Napoleon III. in ähnlicher Form Ausdruckgegeben hat.
Selbst ein erfolgreicher Feldzug gegen Serbien hätte die großserbische Bewegung nicht aus der Weltgeschafft, sie höchstens vorübergehend zurück-gedrängt. Der Zusammenschluß der Serbo-Kroatenund die Ausdehnung Serbiens bis ans Meer war aufdie Dauer ebensowenig zu verhindern, wie etwa dieitalienische Einheit, sie ließen sich nur durch geschick-tes Lavieren hinausschieben. Das eigentliche Öster-reich , soweit es ehedem zum Deutschen Bunde ge-hörte, also die Sudeten- und Alpenländer, wäre trotz-dem erhalten geblieben, ebenso das Magyarentum, undbeide mußten auch ohne den südslawischen BallastAnlehnung an uns suchen, das nationale Band desDeutschtums, nicht minder aber der Gegensatz desMagyaren- und Slawentums, weisen darauf hin.
Also schlimmstenfalls auch ohne die Serbo-Kroa-ten, und nach ihrem Abfall konnten wir mit der An-lehnung der Deutsch -Österreicher und Magyaren anuns rechnen. Ein deutsches Interesse, das die Aus-rottung der Serben heischte, lag keinesfalls vor, eshandelte sich vielmehr um eine ausschließlich öster-reichisch-ungarische Privatangelegenheit, deren „Lo-kalisierung” insofern berechtigt war, als sie uns nichtsanging. Mochten die Wiener Staatsmänner sich damitabfinden, wie sie wollten, einen Krieg mit unserer
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