Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
60
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Hilfe durften sie unter keinen Umständen deshalbunternehmen, und die vernichtende Niederlage, dieÖsterreich seither von den Serben erlitten, ist eineblutige Verurteilung der wahnwitzigen Politik, die SanGuiliano sehr treffend als abenteuerlich, gefährlich,aggressiv und außerhalb des Rahmens des Bündnissesliegend bezeichnet hatte, und die in Österreich schonheute allgemein verurteilt wird. San Guiliano lehntesie ab zu einer Zeit, da Franz Ferdinand noch lebte,ein Beweis, daß politische und nicht ethische Gründefür die Wiener Haltung maßgebend waren.

Ich frage: was war für uns wichtiger: Die besten-falls zu erreichende Erdrückung der großserbischenBewegung in Bosnien, oder die Vermeidung einesWeltkrieges, bei dem unsere soeben erst gebessertenund befestigten Beziehungen zum britischen Weltreichin Trümmer gehen mußten?

War denn nicht die italienische Einheit mit ganzähnlichen Mitteln entstanden, und wiederholt sichbeim Südslawentum nicht genau dasselbe, was sichzwischen 1848 und 1866 in Italien ereignete? Auchdort versuchten die Österreicher in den lombardo-vene-tianischen Provinzen mit Gewalt, mit Schwert undGalgen und dem berüchtigtenBankrl" die nationaleBewegung zu knebeln, auch damals wollte das kon-servative Preußen Stellung nehmen zugunsten derkaiserlichen Herrschaft am Mincio und gegen dieRe-volution", auch die Italiener benutzten Bomben undDolche zu politischen Zwecken und vergriffen sich amGottesgnadentum und sogar am Heiligen Vater! Habenwir es deshalb abgelehnt, mit Italien ein Bündnis zuschließen, oder gar Italien den Krieg erklärt, weilOrsini eine Bombe gegen Napoleon schleuderte? Istnicht die Grundlage Italiens ebensorevolutionär" wiedie Tendenzen der gegen Österreich gerichteten groß-