serbischen Bewegung? Gibt es denn überhaupt in derPolitik einen Zustand, der für ewige Zeiten berechnetist und der nicht nach den wechselnden Bedürfnissender Völker wandelbar wäre? Auch Bündnisse sindnicht für ewig, sondern nur für bestimmte Zwecke undZeiträume geschlossen, ,,rebus sic stantibus", sagt Bis-marck. Ich verweise auch auf den berühmten BriefBismarcks an Gerlach über den Begriff der „Legiti-mität" und über die Notwendigkeit, auch mit „revolu-tionären" Bewegungen, Dynastien und Staaten zu pak-tieren, falls das staatliche Interesse es heischt.
Wie kommt das deutsche Volk dazu, sich in einenWeltkrieg zu stürzen, um die südslawische Einheits-bewegung zu bekämpfen, die sich durch vorsichtigesLavieren der Österreicher vielleicht aufhalten und ein-dämmen, niemals aber beseitigen ließ?
Wie kommen wir dazu, den Mord eines Erzherzogszu rächen und des nichtswürdigen Alexander, der mitseiner gekrönten Dirne der europäischen Fürsten-familie wahrlich nicht zur Zierde gereichte? Und wennzehn Erzherzoge ermordet und auch noch Peter be-seitigt worden wäre mitsamt seiner Sprößlinge, so ginguns das nichts an. Mochten die Österreicher sich mitihren Nachbarn abfinden, wie sie wollten, Sache desdeutschen Volkes war es keinesfalls, an der „Sühne”sich zu beteiligen, weil man den Thronfolger in eine„Allee von Bombenwerfern" fahren ließ.
Was wir getrieben haben, war Gefühls-, nicht Real-politik. „In der Gefühlspolitik ist gar keine Reziprozi-tät, sie ist eine ausschließlich preußische Eigentüm-lichkeit, jede andere Regierung nimmt lediglich ihreInteressen zum Maßstab ihrer Handlungen, wie siedieselben auch mit rechtlichen oder gefühlvollen De-duktionen drapieren mag. Man akzeptiert unsere Ge-^fühle, beutet sie aus, rechnet darauf, daß sie uns nicht
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