Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
62
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gestatten, uns dieser Ausbeute zu entziehen und be-handelt uns danach, das heißt man dankt uns nichteinmal dafür und respektiert uns nur als brauchbaredupe." So schrieb Bismarck an Gerlach.

War etwa Graf Aerenthal uns dankbar für denDienst, den wir ihm bei der Annexionskrisis erwiesen?Er hatte später nur einen Gedanken: sich unserer Vor-mundschaft möglichst zu entziehen, auf eigenenFüßen zustehen, und ließ verbreiten, daß die Spannung, die da-mals entstand, lediglich die Folge des deutsch -eng-lischen Gegensatzes war, und schon heute sagen dieÖsterreicher, wir hätten sie hineingetrieben, weilwir den Krieg wollten. Eine wachsende Mißstim-mung greift in Österreich gegen uns um sich, es seiunser Krieg, für den sie bluten müßten, und die k. undk. Diplomatie sucht im Auslande den Eindruck zu er-wecken, Österreich sei zur Verständigung geneigt ge-wesen, wir aber hätten zum Kriege gedrängt.

Ein weiterer Grund des Gegensatzes zwischenÖsterreich-Ungarn und Serbien lag in wirtschafliehenFragen. Seit Jahren wurden die Serben, ein im wesent-lichen agrarisches Volk, durch Grenzplackereien ge-quält. Unter dem Einfluß der allmächtigen magyari-schen Agrarier suchte die ungarische Regierung dieEinfuhr serbischer Erzeugnisse zu verhindern. Dasserbische Vieh wurde in Semlin tagelang ohne Wassergelassen, und ein entsprechend hoher Tarif sorgte fürdie Verhinderung der Einfuhr serbischen Getreides.Aus diesem Grunde war es der dringende WunschSerbiens , einen eigenen Hafen nach dem Balkankriegezu besitzen, den Zutritt zur Adria. Während der Lon-doner Botschafterkonferenz war es das BestrebenÖsterreichs , allen serbischen Wünschen nach Möglich-keit entgegenzutreten, und wir haben Österreich be-dingungslos und ausnahmslos unterstützt. Meine ein-