Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
75
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ist leider verloren gegangen. Es war am 3. Juni 1914!Dagegen mag hier der Bericht desBerliner Tage-blattes folgen:

Fürst Lichnowsky ist heute zum Ehrendoktor derUniversität Oxford promoviert worden, und bei dieserPromotion konnte man echt englische Formlosigkeitinmitten ehrwürdiger Formen erleben. Bei offenenTüren wurde die Zeremonie in wenigen Minuten ineiner mäßig vollen Halle abgehalten. Die Rektorender verschiedenen Colleges trugen rote, schwarzeoder lila Mäntel wie bei uns. In einem großen Stuhlsaß der Vizekanzler der Universität, der aussah wieKainz als Mephisto, und verkündete in lateinischerund englischer Ansprache fast unverständlich denBeschluß. Hierauf wurde der Botschafter im rotenMantel von dem Sprecher der Universität herein-geführt. Dieser hielt eine längere lateinische Rede,rühmte die Verdienste des Fürsten um die Wissen-schaft und betonte unter dem Beifall der Zu-hörer, daß in dieser Ehrung die englische Sym-pathie für die deutsche Wissenschaft und Nation ent-halten sei. Es klang sehr gut, als dieser Engländer inder alten Halle Oxfords lateinisch ausrief:TotamGermaniam animo salutamus! und man hatte einenAugenblick das Gefühl, daß ein Botschafter wirklichein Bindeglied zweier Nationen bilden kann. Kein Eid,keine Begrüßung durch den Vizekanzler. Im übrigenstanden die Beteiligten formlos herum. Dagegen warviel unter den Zuhörern zu schauen, prachtvolleKöpfe auf kräftigen Gestalten, die in farbigen Talarenim Kreise saßen, darunter besonders viele berühmteZivilrechtslehrer.

Wir geben mit einigen Kürzungen den Wortlaut derRede wieder, die Fürst Lichnowsky auf dem Diner ge-halten hat, das ihm gestern abend die Universität Ox-