Auch ein neuer Vertrag über afrikanischeKolonialfragen wurde zwischen uns vereinbartund fertiggestellt und sollte auf Wunsch der britischenRegierung schon Anfang des Jahres 1914 unterschrie-ben und alsdann veröffentlicht werden. An dieserletzteren Frage drohte der Vertrag zu scheitern, dawir aus formalen Gründen gegen die von britischerSeite gewünschte Veröffentlichung Bedenken erhoben.In diesem Widerstande begegnete sich unser Aus-wärtiges Amt mit Herrn Paul Cambon , der seinerseitsauch nichts unversucht ließ, dem Vertrage, da er dasfranzösische Interessengebiet berührte, Schwierig-keiten zu bereiten.
Nicht nur bei Hofe und in amtlichen Kreisen, auchin der Gesellschaft und in den in England so einfluß-reichen Handelskreisen habe ich während meiner nochnicht zweijährigen Amtszeit das wärmste Entgegen-kommen, den aufrichtigsten Wunsch gefunden, unsnäherzutreten. Überall wurden mir die herzlichstenSympathien in steigendem Maße entgegengebracht,und es war mir schließlich gelungen, eine erheblicheBesserung der Stimmung für uns zu schaffen.
Wenn ich als Gast bedeutender Handelsstädte ge-feiert wurde, wenn bei den unter meinem Vorsitz fürdeutsche Wohltätigkcitszwecke veranstalteten „publicdinners“ Tausende von Pfunden für deutsche Zweckevon britischen Teilnehmern gezeichnet wurden (Deut-sches Seemannsheim, Deutsches Hospital), wenn ichEhrendoktor in Oxford wurde, eine Würde, die keinermeiner Kollegen außer Herr Cambon, der Doyen, be-kleidete, wenn ich überall und in allen Kreisen dasdenkbar größte Entgegenkommen fand, so soll das allesnur eine vieltausendköpfige Verschwörung gewesensein, um uns zu täuschen?
Der volle Wortlaut meiner Oxforder Doktorrede
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