Politik: Erhaltung des Friedens, mit demEntschlüsse, Frankreich zu schützen, teil-ten auch meine beiden Dreibundkollegen, und ich habeniemals den geringsten Grund gehabt, an der Richtig-keit dieser Meinung zu zweifeln.
Von dem Wunsch geleitet, den Frieden zu erhalten,regte Sir Edward Grey bald nach meiner Ankunft dieLondoner Botschafterbesprechungen an, die lediglichden Zweck verfolgten, den Ausbruch eines europäischenKrieges zu verhüten, in den England fürchten mußtehineingerissen zu werden. Hätte er den Krieg gewollt,so waren diese langwierigen Unterhandlungen über-flüssig. Es bot sich auch während derselben reichlicheGelegenheit, den Weltbrand zu entzünden, und haupt-sächlich der vermittelnden Tätigkeit Greys ist es da-mals gelungen, obgleich wir uns stets mit den An-sprüchen unseres Wiener Bundesgenossen identi-fizierten, den Zusammenstoß zu verhüten.
Das deutsch- britische Zusammenwirken währenddieser Konferenzen bildete die Grundlage für die er-strebte Verständigung, an deren Ausbau ich seithergearbeitet habe. Die britische Regierung gewann durchunsere gemeinsame Tätigkeit Vertrauen zu unsererFriendensliebe, man beruhigte sich allmählich überunsere Absichten und war bereit, uns auch auf anderenGebieten entgegenzukommen. Gleichzeitig fandenVerhandlungen zwischen uns über die Abgrenzungunserer Interessensphäre in Kleinasien statt. (Bagdad-bahn pp.) Auch hier begegnete ich dem größten Ent-gegenkommen, und wir haben in dem bei Kriegs-ausbruch zur Unterschrift fertiggestellten Vertragemehr erreicht, als sich die Begründer der Bahn hättenträumen lassen. So gelang es mir z. B., Basra als End-punkt zu erreichen, auf das wir bereits verzichtethatten.
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