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1 (1927)
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Orient und die D r e i b u n d - P o 1 i t i k

Wir mußten uns von der verhängnisvollen Über-lieferung endlich lossagen, Dreibundpolitik auch imOrient zu treiben und den Irrtum erkennen, der darinlag, uns im Süden mit den Türken und im Norden mitden Austro -Magyaren zu identifizieren. Denn dieFortsetzung dieser Politik, die wir beim Berliner Kon-greß begonnen und seither mit Eifer gepflegt hatten,mußte mit der Zeit und namentlich, wenn die nötigeGewandtheit an leitender Stelle fehlte, zum Zusammen-stoß mit Rußland und zum Weltkrieg führen. Statt unsmit Rußland auf Grundlage der Unabhängigkeit desSultans, den man auch in Petrograd nicht aus Kon-stantinopel entfernen wollte, zu einigen und uns, unterVerzicht auf militärische oder politische Eingriffe, aufwirtschaftliche Interessen im Orient zu beschränkenund mit der Zerlegung Klein-Asiens in Interessen-sphären zu begnügen, ging unser politischer Ehrgeizdahin, am Bosporus zu dominieren. In Rußland ent-stand die Meinung, der Weg nach Konstantinopel bzw.ins Mittelländische Meer führe über Berlin . Statt diekräftige Entwicklung der Balkanstaaten zu fördern,die, einmal befreit, alles eher sind als russisch, undmit denen wir die besten Erfahrungen machten, stelltenwir uns auf Seite der türkischen und magyarischenUnterdrücker.

Der verhängnisvolle Irrtum unserer Dreibund- undOrientpolitik, die Rußland , unsern naturgemäßenFreund und besten Nachbar, in die Arme Frank-reichs und Englands gedrängt und von der asiatischenAusbreitungspolitik abgelenkt hatte, war um so augen-fälliger, als ein russisch -französischer Überfall, dieeinzige Hypothese, die eine Dreibundpolitik recht-fertigte, aus unserer Berechnung ausscheiden konnte.

Über den Wert des italienischen Bündnisses erübrigt

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