sich ein weiteres Wort. Italien braucht unser Geldund unsere Touristen auch nach dem Kriege mit oderohne Bündnis. Daß letzteres im Kriegsfälle versagenwürde, war vorauszusehen. Das Bündnis war da-her wertlos. Österreich braucht unsern Schutz inKrieg und Frieden und hat keine andere Anlehnung.Die Abhängigkeit von uns beruht auf politischen,nationalen und wirtschaftlichen Erwägungen und istum so größer, je intimer unsere Beziehungen zu Ruß-land sind. Das hat die bosnische Krise gelehrt. Seitdem Grafen Beust ist noch kein Wiener Minister soselbstbewußt gegen uns aufgetreten, wie Graf Aehren-thal in den letzten Jahren seines Lebens. Bei richtiggeleiteter deutscher Politik, die die Fühlung mit Ruß-land pflegt, ist Österreich-Ungarn unser Vasall und aufuns angewiesen auch ohne Bündnis und Gegen-leistungen, bei falsch geleiteter sind wir auf Öster-reich angewiesen. Das Bündnis war daherzwecklos.
Ich kannte Österreich zu genau, um nicht zuwissen, daß eine Rückkehr zur Politik des Fürsten Felix Schwarzenberg oder des Grafen Moritz Ester-hazy dort undenkbar war. So wenig die dortigenSlawen uns lieben, so wenig wollen sie in eindeutsches Kaiserreich zurückkehren, selbst mit Habs-burg-Lothringer Spitze. Sie streben den Förderalis-mus innerhalb Österreichs an auf nationaler Grund-lage, ein Zustand, der im Rahmen des DeutschenReiches noch viel weniger Aussicht auf Verwirklichunghätte, wie unter dem Doppeladler. Die DeutschenÖsterreichs aber erkennen in Berlin den Mittelpunktdeutscher Macht und Kultur und wissen, daß Öster-reich niemals wieder Präsidialmacht werden kann.Sie wünschen einen möglichst intimen Anschluß andas Reich, nicht aber eine antideutsche Politik.
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