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1 (1927)
Entstehung
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Seit den siebziger Jahren hatte sich die Lage vonGrund aus verändert in Österreich , wie etwa inBayern . Wie hier eine Rückkehr zum großdeutschenPartikularismus und zur altbayerischen Politik nichtzu befürchten ist, so war dort ein Wiederaufleben derPolitik der Fürsten Kaunitz oder Schwarzenberg nichtzu gewärtigen. Unsere Interessen aber würden durcheinen staatsrechtlichen Anschluß Österreichs , das auchohne Galizien und Dalmatien nur etwa zur Hälfte vonGermanen bewohnt ist, also etwa ein großes Belgien darstellt, ebenso leiden wie andererseits durch Unter-ordnung unserer Politik unter Wiener und Pester Ge-sichtspunkte,d'epouser les querelies de l'Autriche."

Wir brauchten daher keine Rücksichten auf dieWünsche unsererBundesgenossen" zu nehmen, siewaren nicht nur unnötig, sondern auch gefährlich, weilsie zum Zusammenstoß mit Rußland führten, wennwir orientalische Fragen durch österreichische Brillenbetrachteten. Die Ausgestaltung des Bündnisses auseines unter einer einzigen Voraussetzung geschlossenenZweckverbandes" zu einerGesamtgemeinde", zueiner Interessengemeinschaft auf allen Gebieten, wargeeignet, eben dasjenige herbeizuführen, was dasRechtsgeschäft verhindern sollte, den Krieg. Einesolche Bündnispolitik mußte außerdem den Verlustder Sympathien junger, kräftig aufstrebender Gemein-wesen auf dem Balkan nach sich ziehen, die bereitwaren, sich an uns zu wenden und uns ihre Märkte zuöffnen.

Der Gegensatz zwischen Hausmacht und National-staat, zwischen dynastischer und demokratischerStaatsidee mußte zum Austrag kommen, und wirstanden, wie gewöhnlich, auf der falschen Seite.

König Karol hat zu einem unserer Vertreter ge-sagt, er habe das Bündnis mit uns unter der Voraus-

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