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1 (1927)
Entstehung
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nicht in Abhängigkeit zu geraten und die Herrschaftder Meere zu sichern, die Britannien benötigt, umnicht zu verhungern, mußte es zu Rüstungen und Aus-gaben schreiten, die schwer auf dem Steuerzahler las-teten. Eine Bedrohung der britischen Weltstellung er-gab sich jedoch, wenn unsere Politik die Möglichkeitkriegerischer Verwicklungen gewärtigen ließ. DieseVoraussetzung war bei den Marokkokrisen und derbosnischen Frage in sichtbare Nähe getreten.

Mit unserer Flotte nach den bestehen-den Festlegungen hatte man sich abgefun-den. Sie war den Briten gewiß nicht willkommen undbildete einen der Gründe, aber nicht den einzigen, fürden Anschluß Englands an Frankreich und Rußland, aber wegen der Flotte allein hätte England ebenso-wenig zum Schwerte gegriffen, wie etwa wegen unse-res Handels, der angeblich den Neid und schließlichden Krieg gezeitigt hat.

Ich vertrat von Anfang an den Standpunkt, daß estrotz der Flotte möglich sei, zu freundschaftlicherVerständigung und Annäherung zu gelangen, wenn wirkeine Novelle brächten und eine zwei-felsfreie Friedenspolitik betreiben. Auchvermied ich es, von der Flotte zu sprechen, und zwi-schen Sir Ed. Grey und mir ist das Wort überhauptnicht gefallen. Sir Ed. Grey erklärte gelegentlich ineiner Kabinettsitzung:The present German Ambas-sador has never mentioned the fleet to me.

Während meiner Amtszeit regte bekanntlich Mr.Churchill, der damalige Erste Lord der Admiralität,den sogenanntenNaval holiday an und schlug ausfinanziellen Gründen und wohl auch tun der pazifisti-schen Richtung in seiner Partei entgegenzukommen,eine einjährige Rüstungspause vor. Amtlich von SirEd. Grey wurde der Vorschlag nicht unterstützt, mir

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