Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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Haltung des Amtes

Der Mißmut gewisser Herren über meine Londoner Erfolge und über die Stellung, die ich mir in kurzerZeit machen konnte, war unbeschreiblich. SchikanöseErlasse wurden ersonnen, um mein Amt zu erschweren,ich blieb in völliger Unkenntnis der wichtigsten Dingeund wurde auf die Mitteilung belangloser, langweiligerBerichte beschränkt. Geheime Agentennachrichtenüber Dinge, die ich ohne Spionage und die nötigenFonds nicht erfahren konnte, waren mir niemals zu-gänglich, und erst in den letzten Tagen des Juli 1914erfuhr ich zufällig durch den Marineattache die ge-heimen englisch -französischen Abmachungen über dasZusammenwirken beider Flotten im Falle einesKrieges. Auch andere wichtige und dem Amt längstbekannte Vorgänge, wie der Briefwechsel Grey-Cambon, wurden mir vorenthalten.

Kriegsfall

Ich hatte bald nach meiner Ankunft die Über-zeugung gewonnen, daß wir unter keinen Umständeneinen englischen Angriff oder eine englische Unter-stützung eines fremden Angriffs zu befürchten hätten,daß aber unter allen Umständen England die Franzosen schützen würde, falls wir sieangriffen. Diese Ansicht habe ich in wiederholten Be-richten und mit ausführlicher Begründung und großemNachdruck vertreten, ohne jedoch Glauben zu finden,obwohl die Ablehnung der Neutralitätsformel bei derMission Haldane und die Haltung Englands währendder Marokkokrise recht deutliche Winke waren. Dazukamen noch die bereits erwähnten und dem Amtebekannten geheimen Abmachungen.

Ich wies immer wieder darauf hin, daß England als

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